So ist bei der Diagnostik des benignen Prostatasyndroms vorzugehen

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Beim einfachen Tasten können Unregelmäßigkeiten der Prostata nicht immer entdeckt werden. Daher müssen auch andere Mittel für die Diagnostik herangezogen werden. © Alexandr Mitiuc – stock.adobe.com

Durch das alleinige Abtasten der Prostata wird deren Größe leicht unterschätzt. Für die weitere Dia­gnostik gibt es zahlreiche Verfahren. Ein Urologe erklärt, welche davon anzuwenden sind.

Rund 30 % der über 50-jährigen Männer in Deutschland leiden unter Miktionsbeschwerden, deren Inzidenz mit zunehmendem Alter steigt. Oft handelt es sich dabei um ein benignes Prostatasyndrom (BPS), der häufigsten Erkrankung des unteren Harntrakts bei Männern. BPS bedeutet, dass eine benigne vergrößerte Prostata Beschwerden verursacht und diese behandlungsbedürftig sind. Dabei vereint der Terminus den Gesamtkomplex von benigner Prostatahyperplasie, Blasenauslassobstruktion sowie Symptome im unteren Harntrakt (lower urinary tract symptoms, LUTS).

Zur Basisdiagnostik den gesamten Harntrakt schallen

Um die bestmögliche Therapie zu gewährleisten, sollten Sie folgende Punkte diagnostisch abklären:

  • Lassen sich die Beschwerden des Patienten einem BPS zuordnen?
  • Wie stark sind die Beschwerden, besteht Behandlungsbedarf?
  • Sind Komplikationen am unteren oder oberen Harntrakt bekannt?
  • Mit welcher Therapie lässt sich den Betroffenen am besten helfen?

Meist gibt eine ausführliche Anamnese bereits Aufschluss darüber, ob der Patient an Blasenspeicher-, Blasenentleerungssymptomen und/oder einer postmiktionellen Symptomatik leidet, schreiben Professor Dr. Thomas Bschleipfer­ von der Klinik für Urologie, Andrologie und Kinderurologie des Klinikums Weiden und Kollegen. Validierte Fragebögen wie der IPSS (Internatio­naler Prostatasymptomen­score) können helfen, die Schwere der Symptome sowie deren Einfluss auf die Lebensqualität zu beurteilen.

Wichtige anamnestische Aspekte

  • bestehende Nykturie (≥ 2-mal/Nacht)
  • rezidivierende Harnwegsinfekte und/oder Hämaturie
  • Grund- oder Vorerkrankungen, z.B. neurologische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen mit der dazugehörigen Begleitmedikation
  • Voroperationen im Becken/Harntrakt
  • Beeinträchtigung der Sexualfunktion
  • Stuhlunregelmäßigkeiten wie Inkontinenz oder Obstipation

Die körperliche Untersuchung schließt das äußere Genitale sowie die digitorektale Palpation der Prostata mit ein, die es u.a. ermöglicht, das Prostatavolumen orientierend einzuschätzen (cave: Volumen wird meist unterschätzt). Ebenfalls zur Basisdiagnostik gehören die Bestimmung des Urinstatus, des PSA-Wertes (prostataspezifisches Antigen), des neurologischen Status sowie eine Sono des unteren und oberen Harntrakts – am besten in 3D, da es genauere Ergebnisse liefert. Über die Sonographie der Harnblase lassen sich sowohl die Blasenwand beurteilen als auch Blasenkapazität und Restharnvolumen bestimmen.

Höhere Restharnmengen korrelieren zwar nicht mit dem Schweregrad, gelten aber als Risikofaktor für eine Progression des BPS. Mithilfe des transrektalen Ultraschalls lässt sich die Prostata hinsichtlich Form, Abgrenzung und Binnenstruktur sehr genau darstellen. Liegt eine intravesikale prostatische Protrusion vor, gilt es einerseits als wichtiger Hinweis auf eine Blasenauslassobstruktion bei benigner Prostatavergrößerung und andererseits als Progressionsfaktor für die BPS-Symptomatik, über den man den Therapieerfolg mit α-Blockern oder 5α-Reduktaseinhibitoren einschätzen kann.

Mittels Uroflowmetrie lassen sich maximale Harnstrahlstärke (Qmax), Miktionsdauer bzw. -volumen beurteilen, die ggf. auf eine Blasenauslassobstruktion hinweisen können. Allerdings ist für einen verminderten Qmax-Wert (< 15 ml/s bei einem Entleerungsvolumen ≥ 150 ml) manchmal auch eine Detrusor­unteraktivität verantwortlich, die Uroflowmetrie kann zwischen beiden Entitäten nicht unterscheiden.

Bei Unklarheiten gibt es diverse weitere Optionen

Falls die Basisdiagnostik nicht zu einem eindeutigen Ergebnis führt, gibt es eine Reihe von fakultativen Untersuchungen zur weiteren Abklärung:

  • Miktionsprotokoll/Blasentagebuch über 48 h/72 h
  • urodynamische Untersuchungen (Zytomanometrie, Druck-Fluss-Messung)
  • Endoskopie
  • retrograde Urethrographie
  • Ausscheidungsurographie
  • Zystographie/Miktionszysto­urethrogramm
  • sonographische Detrusordickenmessung

Quelle: Bschleipfer T et al. Der Urologe 2019; 58: 238-247