Sogar Patienten mit Knochenmetastasen profitieren von einer Sporttherapie

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Bei Wirbelsäulenmetastasen sollte eine Sportart gewählt werden, die den Rücken wenig belastet, zum Beispiel Radfahren oder Schwimmen. © iStock.com/vuk8691 und iStock.com/Spondylolithesis

Sport geht immer, auch bei Krebs. Patienten, die regelmäßig körperlich aktiv sind, haben nicht nur weniger belastende Symptome während einer Chemo- oder Strahlentherapie, sondern oft auch eine günstigere Prognose.

Eine 55-jährige Brustkrebspatientin mit Knochenmetastasen im lumbalen Wirbelsäulenbereich (LWK 2) stellte sich in der Sprechstunde „Sport und Krebs“ der TU München vor. Durch die Erkrankung und die Therapien sei sie im Alltag kaum mehr belastbar. Seit der Diagnosestellung 2017 habe sie keinerlei Sport mehr betrieben. Die deutlich eingeschränkte Belastbarkeit zeigte sich in der Ergometrie inklusive Laktatdiagnostik. Maximal 68 Watt konnte die 60 kg schwere Frau leisten. Der Sollwert einer 55-jährigen Frau mit diesem Körpergewicht wäre jedoch 100 Watt.

Aufgrund der Lokalisation der Knochenmetastase riet man der Patientin zu einem moderaten aeroben Ausdauertraining auf dem Rad oder in Form von Schwimmen. Das tägliche 10-minütige Training sollte im weiteren Verlauf kontinuierlich auf 30 Minuten (5 x/Woche) gesteigert werden mit einem Trainingspulsziel von 100/min. Zudem empfahlen die Kollegen ein allgemeines Krafttraining der oberen und unteren Extremität, um die Muskulatur zu stärken. Regelmäßige Wiedervorstellungen alle drei Monate dienen dazu, die Belastbarkeit zu überprüfen und dem Trainingsprogramm anzupassen.

Zu Beginn zweimal am Tag je 10–15 Minuten trainieren

Prinzipiell eignet sich Sport für jeden Tumorpatienten – auch mit Knochenmetastasen, schreiben Dr. Verena Heinicke und Professor Dr. Martin Halle vom Klinikum rechts der Isar der TU München. Sie raten deshalb Kollegen, direkt bei Diagnosestellung die Möglichkeit einer begleitenden Sporttherapie anzusprechen. Die Empfehlungen richten sich immer individuell nach Tumorstadium, Alter und der aktuellen Belastbarkeit. Wichtig: Knochen mit Metastasen dürfen nicht belastet werden. Für ein Ausdauertraining eignen sich deshalb nicht-gewichttragende Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen. Anfänglich sind Trainingseinheiten von 10–15 Minuten zweimal täglich sinnvoll. Der optimale Puls- bzw. Intensitätsbereich wird zuvor mittels Laktatdiagnostik bestimmt. Später sollte der Patient idealerweise fünfmal pro Woche 30 Minuten moderat körperlich aktiv sein, ab dem 45. Lebensjahr gerne durch allgemeines Krafttraining zweimal pro Woche ergänzt.

Regelmäßige körperliche Aktivität zahlt sich nachweislich aus und verbessert neben der Belastbarkeit und der Lebensqualität auch die Fatiguesymptomatik, die bei etwa 70–80 % der Betroffenen während einer Krebsbehandlung auftritt. In Beobachtungsstudien konnte zudem eine Verbesserung der Prognose für Mamma- und Kolonkarzinome gezeigt werden. Demnach scheinen körperlich aktive Brustkrebspatientinnen im Vergleich zu inaktiven ein deutlich niedrigeres Risiko hinsichtlich der Gesamtmortalität (48 %) bzw. der krebsspezifischen Mortalität (28 %) zu haben. Ähnlich positive Effekte ließen sich für sportlich aktive Kolonpatienten nachweisen (42 % bzw. 39 %). 

Quelle: Heinicke V, Halle M. Bayerisches Ärzteblatt 2018; 73: 584-591