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ST-Hebungs-Myokardinfarkt: Besser frühe Fibrinolyse als später Herzkatheter

Autor: Dr. Judith Lorenz

Unterschiedlichste Zeitverzögerungen können dafür sorgen, dass der Patient nicht in der vorgegebenen Zeit einen Katheter bekommt. Unterschiedlichste Zeitverzögerungen können dafür sorgen, dass der Patient nicht in der vorgegebenen Zeit einen Katheter bekommt. © Gorodenkoff – stock.adobe.com
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Gelingt es nicht, einen Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt innerhalb von 120 min auf den Kathetertisch zu bekommen, sollte man ein Fibrinolytikum geben. Auch wenn manche Herzchirurgen vor der OP davon abraten.

Zwischen der EKG-Diagnose eines ST-Hebungs-Myokardinfarkts (STEMI) und dem Herzkatheter sollten laut Leitlinie nicht mehr als 120 min liegen. In der Realität wird das empfohlene Zeitfenster oft überschritten. In solchen Fällen bietet die intravenöse Lysetherapie bessere Überlebenschancen, schreiben Professor Dr. Nicolas Danchin, Kardiologe am Hôpital Européen Georges Pompidou in Paris, und Kollegen nach Auswertung französischer Registerdaten.

Sie untersuchten die Fünf-Jahres-Prognose von rund 3000 STEMI-Patienten. 54 % von ihnen erhielten innerhalb der 120 min nach Infarkt­ereignis eine perkutane Koronarintervention (PCI), bei 28 % vergingen mehr als 120 min und 28 % waren vor der Verlegung ins Katheterzentrum mittels Fibrinolyse (i.v.) vorbehandelt worden.

Im Vergleich zur verspäteten PCI ging die pharmakoinvasive Strategie mit einem signifikanten Überlebensvorteil einher – unabhängig von Alter, Geschlecht und Infarktlokalisation. Fibrinolyse und zeitgerechter Eingriff unterschieden sich prognostisch nicht.

Jeder Vierte erreicht das Katheterlabor nicht rechtzeitig

Trotz des organisierten Rettungswesens schafft es in Frankreich mehr als ein Viertel der STEMI-Patienten nicht rechtzeitig zum Kathetereingriff, kommentieren Professor Dr. Peter Sinnaeve und Professor Dr. Frans Van de Werf von der Universität Leuven in Belgien. Das liege daran, dass zwischen Diagnose und dem Vorschieben des Katheterdrahts zahlreiche Zeitverzögerungen – u.a. bei Transport, Verfügbarkeit eines Katheterlabors sowie den PCI-Vorbereitungen – auftreten können, die für das Ambulanzteam im Vorfeld schwer kalkulierbar sind.

Die Verantwortung der Erstversorger liegt also nicht nur darin, den Infarkt zu erkennen, sie müssen auch die optimale Strategie wählen. Außer dem Unterschätzen von Verzögerungen liegen die Gründe für eine Entscheidung gegen eine intravenöse Fibrinolysetherapie nach Meinung der Experten darin, dass Fibrinolytika in der Notarztausrüstung fehlen, Ärzte wenig Erfahrung mit der Anwendung der Präparate bzw. Angst vor subsequenten intrakraniellen Blutungen haben oder Herzchirurgen die Anweisung geben, vor der OP auf die Mittel zu verzichten.

Quellen:
1. Danchin N et al. Eur Heart J 2020; 41: 858-866; DOI: 10.1093/eurheartj/ehz665
2. Sinnaeve P, Van de Werf F. A.a.O.: 867-869; DOI: 10.1093/eurheartj/ehz755

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