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SuP, AID, Hybrid-AID, Voll-AID – wer soll da noch durchblicken?

diatec journal: Lexikon Autor: Dr. Andreas Thomas

Bei den CMG-gekoppelten Insulinpumpen gibt es mittlerweile viele gebräuchliche Abkürzungen - da fällt es schwer den Überblick zu behalten. Bei den CMG-gekoppelten Insulinpumpen gibt es mittlerweile viele gebräuchliche Abkürzungen - da fällt es schwer den Überblick zu behalten. © iStock/piranka
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Als englischer Begriff steht die Abkürzung AID für „Automated Insulin Delivery”. Auf Deutsch ist wegen der gleichen Buchstaben der Begriff „Automatische Insulindosierung” die treffendste Übersetzung. AID-Systeme unterscheiden sich in ihrer Funktionsweise und ihren Möglichkeiten klar von anderen Therapieformen. Daher ist es wichtig, genau zu differenzieren.

Seitens der technischen Konfiguration benötigt ein AID neben einer Insulinpumpe ein angekoppeltes CGM-System. Es ist aber klar zu unterscheiden zwischen der Sensorunterstützten Pumpentherapie (SuP) und einem AID. Der Unterschied besteht in der Einflussnahme des Glukosesensors auf die Insulinabgabe.

Abb. 1 zeigt den Entwicklungsweg von der technischen Konfiguration mit ausschließlich manueller Bedienung der Insulinpumpe über die Einflussnahme von CGM-Werten auf die Insulinabgabe bis zum Voll-AID. Folgende Entwicklungsschritte sind zu unterscheiden, aus denen sich die Definitionen der Systeme ergeben:

  • SuP: Zusammenschalten von Insulinpumpe und CGM, ohne dass der Glukosesensor Einfluss auf die Insulinabgabe hat (betraf MiniMed Paradigm Real-Time).
  • SuP mit Hypoglykämieabschaltung: Misst das CGM-System niedrige Glukosewerte, welche die Gefahr einer Hypoglykämie bergen, dann wird die Insulinzufuhr unterbrochen und nach Beseitigung der Gefahr automatisch wieder zugeschaltet (betrifft MiniMed 640G und Tandem t:slim BASAL IQ). Bei dieser Variante handelt es sich noch nicht um ein AID.
  • Hybrid-AID: Über die CGM-Werte und den Abgabealgorithmus wird die basale Insulinabgabe adaptiv gesteuert. Mahlzeiten- und Korrekturboli gibt der Patient weiterhin manuell ab – daher der Zusatz „Hybrid“ (betrifft MiniMed 670G/770G und Diabeloop, wobei letzteres System zwar zugelassen, aber noch nicht als Hardwarelösung auf dem Markt ist).
  • Advanced Hybrid-AID (erweitertes H-AID): Neben der adaptiven basalen Insulinabgabe werden die Korrekturboli automatisch abgegeben, falls die Glukosewerte zu hoch sind. Mahlzeitenboli gibt der Patient manuell ab (betrifft MiniMed 780G und Tandem t:slim CONTROL IQ, beide sind in Deutschland noch nicht erhältlich bzw. zugelassen).
  • Voll-AID: Vollständige, autonome Insulinabgabe für die basale als auch die Bolusinsulinzufuhr.

Grundsätzlich ist ein AID-System zu definieren als eine über die CGM-Werte und einen Algorithmus gesteuerte Insulinabgabe. Das betrifft nicht SuP-Systeme, die durch die Patienten manuell gesteuert werden und im Falle der Gefahr einer Hypoglykämie nur die Insulinabgabe unterbrechen und später wieder zuschalten. In diesen Fällen existieren zwar variable Abschalt- und Zuschaltwerte, aber keine subtil steuernden Algorithmen.

 

 

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