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Takotsubo à la Corona: Stress-Kardiomyopathie häufiger als vor der Pandemie

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Die Inzidenz der Stress-Kardiomyopathie scheint deutlich höher als vor der Pandemie zu sein. Die Inzidenz der Stress-Kardiomyopathie scheint deutlich höher als vor der Pandemie zu sein. © Swetlana Wall – stock.adobe.com
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COVID-19 ist ein echter Herzensbrecher: Seit Beginn der Pandemie kommt es häufiger zum sogenannten Broken-Heart-Syndrom, einer Stress-Kardiomyopathie, die man auch unter dem Namen Takotsubo kennt. Eine SARS-CoV-2-Infektion braucht es dafür nicht.

Die COVID-19-Pandemie und die damit verbundenen Einschränken belasten einige Menschen offenbar so stark, dass sie eine Stress-Kardiomyopathie mit schwerer koronarer Akutsymptomatik entwickeln. Diese Schlussfolgerung lässt sich aus einer kleineren retrospektiven Kohortenstudie an zwei Kliniken in den USA ziehen, die während der Coronakrise eine deutliche Zunahme dieser auch unter dem Namen Takotsubo-Syndrom bekannten Erkrankung verzeichneten.

Analysiert hatte das Team um Dr. Ahmad Jabri von der Cleveland Clinic in Akron die Krankenakten von 1914 Patienten, die vor und zu Beginn der Pandemie im März und April 2020 mit einem akuten Koronarsyndrom eingeliefert wurden und eine Koronarangiographie erhalten hatten. Die Myokardinfarkt-Differenzialdiagnose Takotsubo-Syndrom erfolgte nach den TAK-Diagnosekriterien von 2014.

Inzidenz deutlich höher in März und April 2020

Beim Vergleich mit vier herzinfarktverächtigen Patientengruppen aus Prä-Corona-Zeiten ergab sich eine signifikant erhöhte Rate von Stress-Kardiomyopathien während der Coronamonate März und April 2020. So lag in „normalen“ Zeiten die Inzidenz der Stress-Kardiomyopathie bei 1,5 % bis 1,8 % aller wegen Verdachts auf Herzinfarkt therapierter Patienten. Während der Coronazeit betrug sie 7,8 %.

Der PCR-Test auf SARS-CoV-2 war bei allen Patienten aus der Pandemiegruppe negativ, die Aufenthaltsdauer auf Station mit durchschnittlich acht Tagen in den Krisenmonaten deutlich länger als in Zeiten vor COVID-19 mit durchschnittlich vier bis fünf Tagen. Im Hinblick auf andere Endpunkte wie Mortalität oder Wiederaufnahme innerhalb von 30 Tagen ergaben sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen.

Stichprobenverzerrung nicht ausgeschlossen

Dass die erhöhte Rate an Stress-Kardiomyopathien auf psychische Belastungen durch die COVID-19-Pandemie zurückzuführen ist, bietet sich als naheliegende Erklärung an. Allerdings sind die Ergebnisse noch recht vorläufig und beschränken sich auf lediglich eine geografische Region, betonen die Autoren. Bedacht werden sollte außerdem, dass vermutlich viele Patienten mit akutem Koronarsyndrom während der Pandemie Krankenhausaufenthalte vermieden haben – eine Stichprobenverzerrung sei also nicht auszuschließen. 

Quellen: Jabri A et al. JAMA Netw Open 2020: 3: e2014780; DOI: 10.1001/jamanetworkopen2020.14780


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