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Comprehensive Cancer Center Mainfranken „Wir verstehen uns als Kompass im Dschungel der komplementären Verfahren“

Autor: Dr. Daniela Erhard

Den Krebspatient:innen wird der Weg durch die komplementären Verfahren gewiesen. Den Krebspatient:innen wird der Weg durch die komplementären Verfahren gewiesen. © iStock/R_Tee
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Komplementär ist nicht gleich alternativ – das wird Dr. Claudia Löffler nicht müde zu betonen. Die 39-jährige Onkologin setzt sich für eine integrative Behandlung von Krebspatient:innen ein. Als Leiterin der Abteilung „Komplementäre Onkologie Integrativ“ am CCC Mainfranken ist ihr wichtig, die Betroffenen ganzheitlich zu betreuen. Ihr neuestes Angebot: die Webinar-Serie ONKOnline.

Was kann ich selbst tun, um auf einen guten Verlauf meiner Krebserkrankung hinzuwirken? Darf ich mich bewegen oder ist zu viel Sport vielleicht auch schädlich? Kennen Sie sich aus mit Misteltherapie?“ Fragen wie diese beschäftigen viele Betroffene und gehören zu den Klassikern in der Sprechstunde, weiß Dr. ­Claudia Löffler, Comprehensive Cancer Center Mainfranken und Medizinische Klinik II, Uniklinikum Würzburg. 

Komplementäre Verfahren sind dort fest in der Onkologie verankert. Das war aber nicht immer so. Am Anfang ihrer Karriere fehlte Dr. Löffler noch das Rüstzeug, um Fragen wie die eingangs genannten ausreichend zu beantworten, sagt die Ärztin selbst: „Das Thema kam aber so häufig, das war so relevant für die Patient:innen, dass ich dachte: Das musst Du wissen.“ Kontinuierlich hat sich die internistische Onkologin daher weitergebildet.

Integrative Beratung und Behandlung sind komplex

Mittlerweile führt sie nicht nur die Zusatzbezeichnungen Palliativmedizin, Naturheilverfahren und Ernährungsmedizin, sondern ist auch zertifizierte Mind-Body-Medizin-Therapeutin nach dem Essener Modell und Achtsamkeitslehrerin für Mindful-Self-Compassion. „Alles, was mich interessiert hat, habe ich nach und nach dazu gepackt“, erklärt sie. Dass es am CCC Mainfranken inzwischen eine eigene Abteilung „Komplementäre Onkologie Integrativ“ gibt, ist ebenfalls das Verdienst der engagierten Fachärztin. 2016 hat sie sie an der Klinik mit aufgebaut. 

Viele fanden das Vorhaben von Beginn an sehr gut. Aber natürlich habe es auch Leute gegeben, die erst mal besorgt auf das Projekt geschaut hätten, schildert Dr. Löffler ihre Erfahrungen. Für sie durchaus verständlich, denn onkologische Patient:innen integrativ zu beraten und zu behandeln, ist komplex. Schließlich gelte es, neben dem Krebs auch die Vorgeschichte, Begleit­erkrankungen und andere individuelle Voraussetzungen zu berücksichtigen. Da reiche eine komplementärmedizinische Ausbildung allein nicht aus.

Zudem müsse man den Ansatz klar davon abgrenzen, wofür er nicht stehe: Alternativmedizin. „Es geht ja nicht um eine sanftere Medizin als Ersatz für Chemo oder Bestrahlung“, betont die Onkologin. Das wäre falsch. Aber es sei eben wichtig, nicht nur auf die kranke Seite zu schauen, sondern auch die Ressourcen zu betrachten. Also die Frage zu stellen: „Was ist denn bei dem Menschen gesund und was sollten wir stärken, damit er oder sie möglichst gut durch die Krankheit kommt?“ 

Die anfänglichen Sorgen der Skeptiker:innen verschwanden schnell. Was einerseits daran lag, dass sie merkten, wie gut den Betroffenen die ergänzende Behandlung tut, aber auch daran, dass für ihre junge Kollegin nur wissenschaftlich fundierte Verfahren infrage kommen. „Das muss wirklich Hand und Fuß haben“, erläutert sie. Zudem könne der unsachgemäße Einsatz von Naturheilmitteln durchaus den Therapieerfolg aufs Spiel setzen. Wenn nötig warnt sie daher auch und erklärt, warum sie von bestimmten komplementären Präparaten abrät. Beispielsweise, wenn ein Nahrungsergänzungsmittel mit stark anti­oxidativem Potenzial die Wirkung einer Radio- oder Chemotherapie abschwächen könnte. „Wir verstehen uns da eher als Kompass im Dschungel der komplementären Verfahren“, so Dr. Löffler.

Damit dies auch während der Pandemie so blieb, als persönliche Gespräche vor Ort immer schwieriger wurden, setzte das Team der integrativen Onkologie zunächst auf telefonische Beratungen und Videosprechstunden sowie ergänzend auf einzelne Onlineveranstaltungen. „Wir hatten damit gerechnet, dass nur junge Leute so etwas nutzen“, sagt Dr. Löffler. „Doch auch die 80-Jährigen waren begeistert.“ Zwar vermissten viele den persönlichen Kontakt, auch zu anderen Betroffenen. Aber gerade die Möglichkeit, von zu Hause aus teilnehmen zu können, selbst wenn es einem krankheits- oder therapiebedingt schlecht geht, kam gut an. 

Große Resonanz auf neue Webinar-Reihe

Auch Mütter mit Kindern konnten einfacher an virtuellen Veranstaltungen teilnehmen als an Präsenzterminen, sodass sich im Team immer mehr der Gedanke verfestigte, das Ganze auch unabhängig von der Pandemie regelmäßig anzubieten.

Rund vier Monate feilten Dr. Löffler und ihr Team am Konzept und Programm von ONKOnline, bevor sie Anfang April die Webinar-Serie starteten. 

Webinar-Serie „ONKOnline“

Themen wie Nahrungsergänzungsmittel, Bewegung oder auch seelisches Wohlbefinden und Fatigue sind zentrale Kerngebiete von ONKOnline, erklärt Dr. Löffler, die als Oberärztin das Projekt leitet. Dabei würden pro Veranstaltung meist zwei Aspekte gekoppelt, z.B. Ernährung und Sport, denn vieles hänge einfach zusammen und ließe sich nicht isoliert betrachten. 

Jeden ersten Dienstag im Monat bietet die Internetfragestunde nun die Möglichkeit, sich über einen Themenkomplex zu informieren. Dabei gibt es zunächst einen kurzen Impulsvortrag, in dem die Referent:innen die wichtigsten Fakten aus dem Bereich zusammenfassen – weshalb das Team neben Dr. Löffler auch aus Kolleg:innen aus der Pflege, Psychoonkologie, Sport- oder Ernährungswissenschaft besteht. Im Anschluss an den Vortrag besteht viel Zeit für Fragen aus dem Publikum, so Dr. Löffler. „Die Idee ist, dass die Teilnehmenden in der Veranstaltung Antworten bekommen auf das, was sie beschäftigt, oder vielleicht die Anregung erhalten, wieder einen Einzeltermin in der Sprechstunde zu vereinbaren.“

Einen Monat später als ge­plant und ohne vorab kräftig die Werbetrommel zu rühren. „Ich dachte: Okay, vielleicht kommen acht Leute“, erinnert sich Dr. Löffler. Letztlich meldeten sich innerhalb von einer Woche 60 Teilnehmer:innen an. Und auch das Feedback auf die Premiere stimmte die Organisatoren positiv. Vor allem die Möglichkeit, viele Fragen stellen zu können und dies im geschützten Rahmen über die Chatfunktion zu tun, bewerteten die Patientinnen und Patienten als super.

Bislang ist das Programm für die ersten vier Termine veröffentlicht. Nach den Sommerferien soll es dann zunächst bis zum Jahresende weitergehen. Bleibt die Resonanz gut, wollen Dr. Löffler und ihr Team das Format auch darüber hinaus fort­setzen.

Quelle: Medical-Tribune-Bericht

Dr. Löffler und ihr Team bieten Krebs­patientinnen und -patienten zahlreiche begleitende Angebote zu ihrer Therapie. Dr. Löffler und ihr Team bieten Krebs­patientinnen und -patienten zahlreiche begleitende Angebote zu ihrer Therapie. © Stefan Bausewein
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