Zervixkarzinom-Screening wäre insbesondere im Seniorenalter wichtig

Autor: Dr. Judith Lorenz

Frauen über 65 Jahren erkranken verhältnismäßig häufig am Zervixkarzinom. Liegt das am wegfallenden Screening? © aletia2011 – stock.adobe.com; iStock/Shidlovski

Mit Erreichen des 65. Lebensjahrs endet in Dänemark das Routinescreening auf Gebärmutterhalskrebs. Eine aktuelle Studie belegt, dass aber gerade ältere Frauen das höchste Risiko haben, an einem Zervixkarzinom zu sterben.

Dänemark hat im Vergleich zu anderen westlichen Ländern eine hohe Zervixkarzinom-Inzidenz. Dieser Tumor befällt allerdings nicht nur junge Frauen, berichtet Dr. Anne Hammer von der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Universität Aarhus in einer Pressemitteilung. Tatsächlich haben Frauen über 65 Jahre ein deutlich höheres Sterberisiko als bislang angenommen.

Gerade für diese Altersgruppe sind aber keine regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen mehr vorgesehen. Bleibt der Untersuchungsbefund zwischen 60–64 Jahren weiterhin unauffällig, endet das Zervixkarzinom-Routinescreening.

Ein negatives Testergebnis bedeutet jedoch keine Garantie für einen gesunden Gebärmutterhals: „Schlafende“ HP-Viren können jederzeit ihr karzinogenes Potenzial entfalten, berichtet sie. Gemeinsam mit Kollegen untersuchte Dr. Hammer im Rahmen einer registerbasierten Studie die zervixkarzinombedingte Mortalität in den verschiedenen Altersgruppen unter Berücksichtigung der Hysterektomieraten.

Obwohl die Zervixkarzinom-Mortalität im Verlauf des Studienzeitraums zwischen 2002 und 2015 insgesamt abnahm, kam es zu einer Zunahme des Sterberisikos mit steigendem Alter der Frauen. Besonders deutlich war dies in der Altersgruppe der über 65-Jährigen zu beobachten: Beispielsweise hatten 75- bis 79-Jährige eine fünffach höhere Mortalitätsrate als 40- bis 45-Jährige. Das höchste Sterberisiko wiesen Frauen über 85 Jahre auf.

Tumoren werden oft zu spät entdeckt

Seniorinnen sterben häufiger an einem Zervixkarzinom, weil bei ihnen die regelmäßige Früherkennung wegfällt und die Tumoren daher meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden, so die Interpretation der Forscher. Bis sich die positiven Effekte der HPV-Impfung in dieser Altersgruppe auswirken, wird noch viel Zeit vergehen.

Angesichts dieser Studienergebnisse sei zu überlegen, das Screeningalter auszuweiten. Bis dahin können ältere Patientinnen nur sorgfältig auf tumorverdächtige Symptome, beispielsweise Blutungen und Ausfluss, überwacht werden.

Quellen:
Hammer A et al. Acta Obstet Gynecol Scand 2019; 98: 1063-1069
Pressemitteilung Aarhus University