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Jodmangel in der Schwangerschaft Damit das Kind kein Idjod wird

Autor: Dr. Andrea Wülker

Obwohl bereits vor vielen Jahren die Jodprophylaxe über das Salz eingeführt wurde, ist sie in Deutschland offenbar unzureichend. Obwohl bereits vor vielen Jahren die Jodprophylaxe über das Salz eingeführt wurde, ist sie in Deutschland offenbar unzureichend. © iStock/Ivan-balvan
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In Deutschland sind fast 50 % der Frauen im gebärfähigen Alter nicht ausreichend mit Jod versorgt.

Und laut der 2. KiGGS-Erhebung liegt nach den WHO-Kriterien derzeit bei ca. 58 % der Kinder und Jugendlichen ein Jodmangel vor. Das ist deutlich mehr als noch vor zehn Jahren (41,5 %), schreibt Professor Dr. Roland Gärtner von der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Das essenzielle Spurenelement muss mit der Nahrung aufgenommen werden. Deutschland gehört wie fast alle kontinentalen Regionen zu den traditionellen Jodmangelgebieten, da in Boden und Wasser zu geringe Jodmengen vorliegen. Obwohl bereits vor vielen Jahren die Jodprophylaxe über das Salz eingeführt wurde, ist sie in Deutschland offenbar unzureichend.

So kann eine ausreichende Jodversorgung erreicht werden

  • Zweimal pro Woche Seefisch oder Meeresfrüchte essen.
  • 250–500 ml bzw. g Milchprodukte täglich verzehren.
  • Ausschließlich Jodsalz im Haushalt verwenden.
  • Nur Lebensmittel und Fertiggerichte kaufen, die mit Jodsalz hergestellt sind.
  • Veganer/Vegetarier sollten zu z.B. Suppen oder Gemüse Meeresalgen hinzufügen.

Eine gute Jodversorgung ist nicht nur für die Schilddrüsenfunktion wichtig. Während der Schwangerschaft ist Jod und damit L-Thyroxin für die neuronale Entwicklung des Embryos entscheidend. Bereits ein milder bis mäßiger Jodmangel kann in den ersten drei bis vier Schwangerschaftsmonaten beim Ungeborenen bleibende Schäden wie Innenohrschwerhörigkeit und verminderte Intelligenz verursachen. „Kinder mit mildem bis moderatem Jodmangel können offenbar nicht ihre volle Intelligenz entwickeln“, warnt Prof. Gärtner und mahnt, auf eine verbesserte Jodzufuhr zu achten. Denn die kognitive Funktion von Kindern, die mit einem milden Mangel aufwachsen, lässt sich verbessern, wenn das Defizit behoben wird. Der Jodbedarf ändert sich im Lauf des Lebens. Laut WHO und ICCIDD (International Council for Control of Iodine Deficiency Disorders) sollten Kleinkinder bis 59 Monate 90 µg Jod täglich zu sich nehmen, Schulkinder bis zwölf Jahre 120 µg und Erwachsene 200 µg. Schwangere und Stillende benötigen sogar 250 µg Jod pro Tag. Eine gute Jodversorgung ist möglich, wenn die Ernährung entsprechend gestaltet wird (s. Kasten). Gerade junge Frauen mit Kinderwunsch sollten darauf achten, dass ihre Jodversorgung stimmt. Dennoch gibt es Situationen, in denen eine jodreiche Ernährung nicht ausreicht und mit Supplementen nachgeholfen werden muss:
  • in der Gravidität, spätestens ab der zwölften Schwangerschaftswoche
  • bis zum Ende der Stillzeit
  • bei Unverträglichkeit von Fisch und Laktose

Quelle: Gärtner R. internistische praxis 2021; 64: 64-70

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