Demenzdiagnose: Mit Routinedaten lassen sich bislang unerkannt Erkrankte identifizieren

Autor: Dr. Anne Benckendorff

Ohne große Tests lässt sich eine Demenz durch das Programm feststellen. © fotolia/Alexander Raths

Schätzungen zufolge sitzt etwa die Hälfte aller Patienten mit einer Alzheimerdemenz im Wartezimmer, ohne jemals eine formale Diagnose erhalten zu haben. Dabei könnte sie der niedergelassene Kollege fast nebenher stellen – ohne zusätzliche Tests.

Die meisten bekannten Risikofaktoren der Demenz wie kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes, Rauchen und Übergewicht checken Hausärzte ohnehin im Rahmen von Routineuntersuchungen. Weshalb die Daten also nicht nutzen, um bislang undiagnostizierten Fällen auf die Spur zu kommen? Ob das funktioniert, wollte ein Team britischer Wissenschaftler herausfinden.

Basis der Studie bildeten sogenannte „Read Codes“, die in Großbritannien als medizinisches Kommunikationssystem dienen. Diese enthalten Informationen über Symptome, Diagnosen, soziale Umstände usw. Die Forscher suchten zunächst jene Read Codes aus, die für Patienten mit bekannter Demenz dokumentiert wurden. Daneben identifizierten sie Codes, die mit Risikofaktoren der Erkrankung assoziiert waren.

Insgesamt kamen so Daten von mehr als 26 000 Patienten mit und ohne diagnostizierter Demenz > 65 Jahre zusammen. Die Daten flossen in ein eigens entwickeltes intelligentes Computersystem ein, welches anhand der Codes „lernte“, zwischen Gesunden und Betroffenen zu differenzieren. Nach der Auswertung zeigte sich, dass es mithilfe der Methode tatsächlich gelungen war, 295 bislang unentdeckte Demente zu detektieren.

Quelle: Jemmeh EA et al. BJGP Open 2018; online first