Depression durch soziale Medien

Autor: Michael Brendler

Soziale Medien beeinflussen gerade bei Mädchen stark das Selbstwertgefühl. © iStock.com/AntonioGuillem

Facebook, Snapchat, Instagram und wie sie alle heißen sind aus dem Leben unserer Kinder nicht mehr wegzudenken. Aber die sozia­len Medien gefährden ihre psychische Gesundheit.

Die Leidenschaft für die sozia­len Medien ist wahrscheinlich mit gefährlichen Folgen für die Psyche unserer Kids und Teens verbunden, mutmaßt ein Autorenteam um Professor Dr. Yvonne Kelly von der Universität London. Eine zunehmende Zahl an Studien stütze diesen Verdacht. Und auch an Mechanismen, über die die intensive Online-Kommunikation der jungen Seele schaden kann, herrsche kein Mangel: Mobbing und Bloßstellungen im Internet zerstören Reputation und Freundschaften.

Ständige Konfrontation mit irrealen Schönheits­idealen

Die virtuelle Welt konfrontiert die Jungen und Mädchen immerfort mit unerreichbaren Schönheits­idealen. Und auch der Schlaf leidet unter dem Einfluss des dauerhaften Chattens, unter dem unendlichen Strom an Videos – und nicht selten auch einfach dadurch, dass das Smartphone nachts neben dem Kopfkissen liegt.

Seit 18 Jahren interviewen britische Wissenschaftler im Rahmen der UK Millennium Cohort Study regelmäßig fast 20 000 Kinder und Jugendliche. Inzwischen haben die meisten der Befragten das 14. Lebensjahr überschritten und damit ein Alter erreicht, in dem sie besonders anfällig für Selbstzweifel, Minderwertigkeitskomplexe und Depressionen sind.

Einfluss auf Mädchen größer als auf Jungen

Die Auswertung von 10 904 geeigneten Datensätzen der Studie stützt nun die These, dass der übermäßige Gebrauch der sozia­len Medien den Kindern nicht sonderlich bekommt: Bei Mädchen, die mehr als drei Stunden am Tag über diese Dienste kommunizierten – das waren mehr als zwei Fünftel aller Mädchen –, stieg der Depressions­score im Vergleich zu Gleichaltrigen, die Social Media deutlich weniger nutzten, um 26 % an.

Der Punktwert ging sogar um 50 % nach oben, wenn sich die Mädels fünf Stunden und länger pro Tag in den digitalen Netzwerken tummelten. Die Jungen dagegen waren etwas robuster: Bei ihnen lagen die Raten bei 21 % bzw. 35 %.

Der intensive Gebrauch der Apps, Instant-Messaging-Dienste, Webseiten, sozialen Netzwerke und Videoportale ging auch mit weniger Schlaf einher, mit Online-Mobbing, reduziertem Selbstwertgefühl und einer gestörten Körperwahrnehmung. All das seien Faktoren, die ihrerseits mit depressiven Symptomen zusammenhängen, schreiben die Autoren. Negative Erfahrungen wie Online-Mobbing wiederum führen direkt zu Schlafproblemen und einem gestörten Selbstwertgefühl.

Quelle: Kelly Y et al. EClinicalMedicine 2018; 6: 59-68