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Drei bis vier Tassen Kaffee sind für die Gesundheit unbedenklich

Autor: Michael Brendler

Öfter mal eine Kaffeepause, das senkt das Risiko für diverse Erkrankungen. Öfter mal eine Kaffeepause, das senkt das Risiko für diverse Erkrankungen. © iStock/franz12
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Koffein ist das weltweit am häufigsten eingenommene Psychostimulans. Neben Kaffee und Tee führt vor allem der gestiegene Konsum an Soft- und Energydrinks dazu, dass der Wachmacher in immer höheren Dosen in den Körper gelangt. Nicht nur für Vorerkrankte ein bedenklicher Trend.

Lebensgefährlich wird Kaffee nur selten – zum Glück! Schließlich gehört er weltweit zu den beliebtesten Getränken, allen voran aufgrund der vitalisierenden Wirkung des enthaltenen Koffeins. Ein durchschnittlicher Erwachsener müsste jedoch rund 10 g Koffein auf einmal konsumieren, um eine mittlere letale Dosis zu erreichen. Mit dem gewöhnlichen moderaten Genuss von drei bis vier Tassen Kaffee pro Tag kommt man im Schnitt nur auf bis zu 400 mg.

Diese Menge scheint nicht nur nicht schädlich, sondern der Gesundheit sogar förderlich, wie Professor Dr. Maximilian­ Gahr­, Psychiater am Universitätsklinikum Ulm, schreibt. Schon seit Längerem wird das dunkle Heißgetränk mit einer reduzierten Gesamtsterblichkeit, einem geringeren Risiko für koronare Herzkrankheit und Schlaganfall, Leberkrankheiten, Dia­betes, Parkinson und Demenz in Verbindung gebracht. Auch einige maligne Erkrankungen werden bei Kaffeetrinkern seltener beobachtet. Aber dem Koffein allein ist dies wahrscheinlich nicht zu verdanken. Immerhin enthält das Getränk rund 1000 bioaktive Substanzen.

Zentraler Muntermacher

Das Alkaloid Koffein wirkt in den gängigen Dosierungen wahrscheinlich in erster Linie als Antagonist zentraler Adenosinrezeptoren und steigert dadurch die Aktivität des dopaminergen und aufsteigenden Aktivierungssystems. Vor allem nach Schlafentzug kann es Verbesserungen der Vigilanz, Aufmerksamkeit und Reaktionszeit bewirken. Manche Konsumenten zielen zudem auf eine Steigerung ihrer Ausdauerleistung oder Muskelkraft ab. Ein Abhängigkeitspotenzial scheint nur eingeschränkt vorhanden. Klassische pharmakologische Suchtmerkmale wie die direkte Erhöhung der Dopaminfreisetzung im Belohnungssystem erfüllt Koffein nicht. Eine regelmäßige Einnahme v.a. höherer Dosen von Koffein kann jedoch zu einer Toleranzentwicklung und bei abruptem Absetzen zu Entzugssymptomen führen.

Ab 1 g Koffein drohen Herzrhythmusstörungen

Negative Effekte auf die Gesundheit scheint es langfristig nur wenige zu geben. Moderater Kaffeegenuss ist mit einer Erhöhung des Gesamt­cholesterins und LDL assoziiert. Wer mehr trinkt, muss – zumindest als Frau – mit einem höheren Risiko für Frakturen, Früh- und Fehlgeburten rechnen. Ein Zusammenhang zu psychischen Störungen oder zur ADHS-Inzidenz ließ sich nicht bestätigen. Prof. Gahr betont jedoch, dass all diese Ergebnisse lediglich aus epidemiologischen Studien stammen. Ein kausaler Zusammenhang ließe sich mangels Evidenz aus randomisiert-kontrollierten Untersuchungen nicht ableiten.

Auf festerem wissenschaftlichem Grund basieren hingegen die toxikologischen Fakten. Die täglichen drei bis vier Tassen Kaffee bzw. 400 mg Koffein gelten für gesunde Erwachsene als unbedenklich. Jedoch variiert die tatsächlich tolerierte Menge individuell sehr stark. Ursächlich dafür ist u.a. die Art, wie Koffein metabolisiert wird, nämlich in der Leber mithilfe von Cytochrom P450. Medikamente, Alkohol und Zigaretten hemmen bzw. fördern die Arbeit des Enzyms und beeinflussen somit, wie schnell Koffein verstoffwechselt wird.

Viele zielen mit der Einnahme von Koffein sicherlich auf die zahlreichen, meist subjektiven positiven Effekte ab (s. Kasten). Doch auch unerwünschte Begleiterscheinungen wie Reizbarkeit, Kopfschmerzen oder Tremor werden berichtet. Dies ist laut dem Autor jedoch erst ab akuten Dosen von mehr als 200 mg zu befürchten. Auf den Beipackzetteln koffeinhaltiger Medikamente finden sich entsprechende Hinweise von Tachykardie, Schlaflosigkeit, innerer Unruhe, Magen-Darm-Beschwerden und allergischen Reaktionen.

Ab 1 g Koffein wird’s richtig gefährlich. Eine solche Intoxikation kann mit kognitiven Störungen, epileptischen Anfällen, Arrhythmien oder ischämischen Reaktionen einhergehen. Therapeutisch kann, wenn supportive Maßnahmen nicht reichen, das Auslösen von Erbrechen, Magenspülung und Aktivkohle indiziert sein. Selten wird eine intensivmedizinische Überwachung mit Intubation, Hämodialyse und teilweise der Gabe von Antiarrhythmika notwendig.

Quelle: Gahr M. Fortschr Neurol Psychiatr 2020; 88: 318-330; DOI: 10.1055/a-0985-4236


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