Kolonkarzinom Eine Tasse Kaffee für die Gesundheit?

Autor: Dr. Judith Lorenz

Die Datenlage zum protektiven Effekt von Kaffee ist widersprüchlich. 
Die Datenlage zum protektiven Effekt von Kaffee ist widersprüchlich. © iStock/Jasmina007

Kaffee senkt die Mortalität bei Darmkrebs – oder nicht? Neue Daten zeigen: Ganz so einfach scheint es doch nicht zu sein.

Das Image von Kaffee hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten deutlich verbessert: Während man in den 1980er-Jahren noch von gesundheitsschädlichen Effekten ausging, belegen inzwischen zahlreiche Studien das Gegenteil. Mittlerweile weiß man, dass Kaffee in gewissem Maß vor Krebserkrankungen schützt und die Prognose von Tumorerkrankten verbessert.

Insbesondere im Hinblick auf das kolorektale Karzinom wird dem Heißgetränk eine protektive ­Wirkung zugeschrieben, berichten die Onkologinnen Dr. ­Mojun ­Zhu und Dr. ­Aminah ­Jatoi vom Department of Oncology an der Mayo Clinic in Rochester: Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass regelmäßiger moderater Kaffeekonsum die Erkrankungsgefahr deutlich senkt. Bereits erkrankte Personen sollen durch verstärktes Kaffeetrinken ihr Risiko für Krankheitsprogression oder Tod verringern können.

Keine Empfehlung für oder gegen Kaffee

Diese positiven Effekte sind angesichts der vielfältigen Inhaltsstoffe des Getränks (mehr als 1.000 verschiedene chemische Substanzen, darunter Polyphenole, Diterpene und Melanoidine) durchaus plausibel, meinen die Forscherinnen. Insgesamt ging man daher bislang davon aus, dass Kaffeetrinker im Hinblick auf das kolorektale Karzinomrisiko Vorteile haben.

Diese Einschätzung kommt nun zumindest teilweise ins Wanken: Forscher um Dr. Tomotaka­ ­Ugai vom Department of Pathology am Brigham and Women’s Hospital der Harvard Medical School in Boston untersuchten kolorektale Tumorproben von Teilnehmenden der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up ­Study. Sie prüften daran, inwiefern die histopathologisch objektivierbare lymphozytäre Immunreaktion den Zusammenhang zwischen dem Kaffeekonsum und der Überlebens­prognose der Betroffenen beeinflusst. Laut ihrer Datenauswertung hat Kaffeetrinken zusammengefasst offenbar keinen wesentlichen positiven Effekt auf die krebsspezifische Mortalität. Lediglich Personen mit deutlicher crohnähnlicher lymphozytärer Reaktion, also einer peritumoralen Zusammenlagerung von Immunzellen, scheinen bezüglich des Sterberisikos von Kaffee zu ­profitieren.

Die Datenlage ist also widersprüchlich, schreiben Dr. Zhu und Dr. Jatoi. Sie raten daher dazu, vorerst keine Empfehlung für oder gegen den Kaffeekonsum auszu­sprechen.

Quellen:
1. Zhu M, Jatoi A. Mayo Clin Proc 2022; 97: 15-17; DOI: 10.1016/j.mayocp.2021.11.009
2. Ugai T et al. Mayo Clin Proc 2022; 97: 124-133; DOI: 10.1016/j.mayocp.2021.09.007