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Erhöhtes Demenzrisiko durch Bypass?

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Durch die OP am Herzen an sich, entsteht kein erhöhtes Demenz-Risiko. Durch die OP am Herzen an sich, entsteht kein erhöhtes Demenz-Risiko. © wikimedia/Patrick J. Lynch, medical illustrator
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Erhöht eine Bypass-OP das Risiko für Demenz? Das haben Forscher nun untersucht.

Myokard wieder gut durchblutet, aber im Kopf nicht mehr klar: So mancher ältere KHK-Patient fürchtet sich vor der Bypass-Operation – aus Sorge um seine kognitive Leistung. US-Forscher haben nun untersucht, ob die chirurgische Gefäßsanierung zerebral riskanter ist als die perkutane Koronarintervention.

Ihre retrospektive Analyse basiert auf den Daten einer früheren Kohortenstudie an Rentnern, die noch zu Hause lebten. Berücksichtigt wurden 1680 Patienten, die sich im mittleren Alter von 75 Jahren einer Bypass-Operation oder Koronardilatation unterzogen hatten. Die kognitiven Fähigkeiten der älteren Herrschaften waren alle zwei Jahre erfasst worden. Als Grundlage dienten entsprechende Tests sowie die Einschätzung der Angehörigen, schreibt die Arbeitsgruppe um Dr. ­Elizabeth Whitlock­ von der University of California in San Francisco.

Verglichen wurde das Nachlassen im „Memory-Score“ in der Zeit vor und nach der Revaskularisation. Dabei zeigte sich kein klinisch relevanter Unterschied – weder innerhalb derselben Interventionsgruppe (PCI bzw. Bypass) noch zwischen den beiden Optionen. Auch im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit, eine Demenz zu entwickeln, differierten die Gruppen nicht signifikant: Im Bypass-Kollektiv betrug die Rate 10,5 %, in der koronardilatierten Gruppe 9,6 %.

Dieses Ergebnis spricht dafür, dass der Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten nicht so sehr von der Art der Reperfusion abhängt, sondern viel eher vom vaskulären Risikoprofil der Patienten. Die Ursachen der Koronarstenosen bedrohen auch die Hirngesundheit, erklärt Dr. Rebecca­ Gottesman­ von der Johns Hopkins University, Baltimore­, in ihrem Studienkommentar.

Deshalb besteht die beste Methode zur Prophylaxe geistiger Einbußen darin, diese Gefahrenquellen beizeiten zu erkennen und optimal zu behandeln. So ist bekannt, dass Hypertonie, Adipositas, Rauchen und Diabetes nicht nur der KHK Vorschub leisten. Ihre Kontrolle eignet sich möglicherweise auch zur Demenzprävention. Außerdem senkt sie den kardialen Reperfusionsbedarf und verringert damit auch die damit verbundenen Risiken.

Quellen:
1. Whitlock EL et al. JAMA 2021; 325: 1955-1964; DOI: 10.1001/jama.2021.5150
2. Gottesman R; A.a.O.: 1941-1942; DOI: 10.1001/jama.2021.5816


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