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Herzstillstand: Neuer Score für die Prognose

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Mit dem neuen Score kann das Outcome eines Herzstillstandes besser vorausgesagt werden. Mit dem neuen Score kann das Outcome eines Herzstillstandes besser vorausgesagt werden. © Julie LEGRAND – stock.adobe.com
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Die meisten Patienten, die wegen eines akuten Herzstillstands in die Klinik eingeliefert werden, landen auf spezialisierten Stationen. Die dort möglichen Maßnahmen können ihre Überlebenschancen erheblich bessern, doch sind sie immer sinnvoll?

Bei 50–90 % der Patienten mit einem Herzstillstand außerhalb einer Klinik ist der Verschluss einer Koronararterie der Auslöser. Dank der hochtechnisierten Versorgung in Zentren stiegen die Überlebens­chancen der Betroffenen in den letzten Jahrzehnten zwar erheblich, die Mehrzahl erleidet aber schwere Schäden durch zerebrale Hypoxie, führen Dr. Nilesh Pareek vom Department of Cardiology am King’s College Hospital NHS Foundation Trust in London und Kollegen aus.

Neurologische Schädigungen lassen sich meist erst nach etwa 72 Stunden sicher erfassen – doch bis dahin sind die meisten Ressourcen schon eingesetzt worden. Man braucht daher dringend frühe Vorhersageparameter, um in aussichtslosen Fällen ausufernde Maßnahmen zu verhindern, schreiben die Kollegen. Zwar gebe es einige Scores dafür, doch die hätten sich in der Praxis als zu komplex für die Routine erwiesen.

Um nun ein einfacheres prognostisches Instrument zu entwickeln, werteten sie die Daten von Patienten aus, die zwischen Mai 2012 und Dezember 2017 außerhalb von Krankenhäusern einen Herzstillstand erlitten hatten. Insgesamt gab es 1055 Betroffene, 373 mit sicher kardialer Ursache wurden von den Kollegen in der Analyse berücksichtigt. 60 % von ihnen erreichten auf der Cerebral Performance Categories (CBC) Scale nur CBC 3-5, was für ein (sehr) schlechtes neurologisches Outcome spricht.

Sieben Faktoren sagen schlechtes Outcome voraus

Anhand einer Modellrechnung identifizierten die Wissenschaftler Prädiktoren, die für solch ein schlechtes Outcome sechs Monate nach dem Akutereignis sprachen. Die folgenden sieben unabhängigen Faktoren konnten sie ermitteln:

  • unbeobachteter Herzstillstand
  • initial nicht-schockbarer Rhythmus
  • keine Pupillenreaktion nach Rückkehr eines Spontankreislaufs
  • Alter
  • wechselnder Rhythmus
  • niedriger pH
  • Epinephringabe

Aus ihnen erstellten sie den Score MIRACLE2 und definierten drei Risikogruppen:

  • ≤ 2 Punkte: niedriges Risiko (nur 5,6 % der Studienpatienten mit schlechtem Outcome)
  • 3–4 Punkte: mittleres Risiko (55,4 % der Teilnehmer neurologisch in einem schlechten Zustand)
  • ≥ 5 Punkte: hohes Risiko (desolater Zustand bei 92,3 %)
Der Miracle2-Score
Variable
Definition
Punkte
MMissedunbeobachteter Stillstand1
IInitial rhythmnicht-schockbarer Rhythmus1
RReactivitiy of pupils Keine Pupillenreaktion nach Rückkehr eines Spontankreislaufs1
AAge0–60 Jahre
60–80 Jahre
> 80 Jahre
0
1
3
CChanging Rhythmsjeweils 2 (Kammerflimmern, Asystolie, pulslose elektrische Aktivität)1
LLow pH pH < 7,201
E2 Epinephrinjegliche Epinephringabe 2

Die Autoren mutmaßen, dass der Score künftig dazu beitragen könnte, Subgruppen von Patienten zu identifizieren, bei denen frühe Interventionen nach einem akuten Herzstillstand fruchtlos bleiben.

Quelle: Pareek N et al. Eur Heart J 2020; ehaa570; DOI: 10.1093/eurheartj/ehaa570

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