Intermittierender Tinnitus wohl in erster Linie stressinduziert

Autor: Michael Brendler

Besonders Akademiker leiden unter dem wiederkehrenden Ohrgeräusch. © iStock/marcduf

Ein Ohrgeräusch hört man entweder akut oder chronisch, heißt es in den Leitlinien. Außer Acht gelassen wird dabei die wohl häufigste Form des Tinnitus: der intermittierende.

Um mehr über die Art und Häufigkeit von Ohrgeräuschen zu erfahren, bediente sich eine Forschergruppe Methoden aus der Marktforschung. Das Design ihrer Studie entspreche zwar nur bedingt wissenschaftlichen Standards, räumen die Autoren um Dr. Martin Burkart von der Firma Dr. Willmar Schwabe ein. Dennoch liefere sie wichtige Erkenntnisse zum stress­induzierten Tinnitus.

In acht deutschen Städten waren Interviewer unterwegs, um Tinnitusbetroffene zu befragen. 320 Menschen gaben an, in den letzten zwölf Monaten ein Ohrgeräusch wahrgenommen zu haben. 62 % hörten es nur zeitweise, dafür aber immer mal wieder. Bei 16 % war der Tinnitus dagegen kontinuierlich und chronisch, 23 % berichteten über eine einzelne Episode, die meist nach wenigen Tagen oder einigen Wochen vorbei war.

Ein intermittierendes Ohrgeräusch, so ergaben die Befragungen, taucht im Schnitt alle sieben Wochen auf und verschwindet nach 1,6 Wochen von alleine. Es kann die Betroffen zudem jahrelang begleiten, wobei weiter unklar ist, ob es im weiteren Verlauf zur Chronifizierung neigt. Anders als der persistierende Tinnitus, tritt es nicht gehäuft im höheren Alter oder bei Hörstörungen auf.

Vor allem Akademiker sind betroffen

Sowohl Personen mit chronischem als auch diejenigen mit intermittierendem Tinnitus hatten besonders häufig einen höheren Bildungsabschluss. Das könne mit Berufen mit erhöhter Stressbelastung einhergehen, mutmaßen die Autoren. Therapieversuche starten beide Gruppen ähnlich oft, obwohl Leidensdruck und Beeinträchtigung bei der intermittierenden Form schwächer ausfallen.

Wahrscheinlich liege dem intermittierenden Tinnitus eine stress­induzierte reversible Veränderung funktioneller neuronaler Netzwerke zugrunde, schreiben die Autoren. Das spreche für eine bessere Prognose als beim persistierenden Leiden.

Quelle: Burkart M et al. HNO 2019; 67: 440-448