Internet, Sorglosigkeit und Drogen fördern die Verbreitung von Syphilis

Autor: Friederike Klein

Immer mehr Menschen lassen aufgrund der Präexpositionsprophylaxe die Kondome weg. © iStock.com/Lalocracio

Seit der Jahrtausendwende steigt die Inzidenz der Syphilis in Deutschland wieder an. Ursache für die Rückkehr der „alten Lustseuche“ sind auch die Erfolge der modernen Medizin.

Im vergangenen Jahr wurden dem Robert Koch-Institut 7474 Fälle einer Syphilisinfektion gemeldet. Im Jahr 2011 waren es nur etwa 1300. Die alarmierende Zunahme ist aber nur bei den Männern zu verzeichnen: Waren es im Jahr 2017 bei ihnen 6994 Fälle, blieb die Zahl bei den Frauen mit 480 gegenüber dem Jahr 2001 nahezu konstant, erläuterte Professor Dr. Helmut Schöfer von der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden.

Asyl­suchende sind nicht der Grund für die steigende Rate

Dabei sind inzwischen auch ältere Männer vom Lues betroffen. Prof. Schöfer berichtete von einem 72-jährigen Mann, der sich dank erektionsfördernder Medikamente wieder in der Lage sah, sexuell aktiv zu sein, und Sexualpartner im Internet gefunden hatte. Das weist auf die wesentlichen Ursachen des Anstiegs bei den Syphilisneuinfektionen in Deutschland hin.

  • Internetkontaktforen erleichtern das unverbindliche Finden und Treffen von Sexualpartnern.
  • Der starke Rückgang der Angst vor der HIV-Infektion: Sterben an AIDS ist in den Medien kein Thema mehr, HIV-Infizierte fühlen sich dank wirksamer Therapien gesund und haben weiter (ungeschützten) Sex.
  • Partydrogen für ein intensiveres sexuelles Erleben fördern das Risikoverhalten.
  • Lifestyle-Medikamente wie Sildenafil, Vardenafil oder Tadalafil erweitern die Möglichkeiten sexueller Aktivität.
  • Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) erlaubt bezüglich HIV sicheren Geschlechtsverkehr – das Weglassen der Kondome erhöht aber das Risiko für andere sexuell übertragbare Erkrankungen.

Nach einer Metaanalyse erhöht die PrEP bei Männern, die mit Männern Sex haben, das Syphilisrisiko um das 45-Fache. Die Gonorrhö tritt etwa 25-mal häufiger auf, eine Chlamydieninfektion etwa elfmal so oft. Daher sollte auch bei PrEP immer ein Präservativ verwendet werden – in der Praxis schwer durchsetzbar, denn das Kondom wollen die betreffenden Personen mit der PrEP ja gerade vermeiden.

Die Infektionsraten bei Asyl­suchenden übersteigen im Übrigen nicht die Inzidenz der Syphilis in Westeuropa, betonte Prof. Schöfer. Er trat damit vehement der Vermutung entgegen, Flüchtlinge brächten diese sexuell übertragbare Erkrankung vermehrt ins Land.

Quelle: 26. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie