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Kaposi-Sarkom kann auch bei älteren Frauen auftreten

Autor: Dr. Andrea Wülker

Das Kaposi-Srakom zeigt sich oft mit Plaques und Flecken, und das auch an anderen Körperstellen als den Knien. Das Kaposi-Srakom zeigt sich oft mit Plaques und Flecken, und das auch an anderen Körperstellen als den Knien. © wikimedia/National Cancer Institute
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Herpes­viren Typ 8 in Blutgefäßen und lividbraune Plaques – diese Befunde deuteten bei einer 76-Jährigen auf ein Kaposi-­Sarkom. Dennoch passte die Patientin nicht so richtig in die klassische Kategorie.

Eine 76-Jährige bemerkte kleine Hautläsionen an den Beinen, die sich langsam ausbreiteten. Zwei Jahre später wurde sie zur Diagnostik in die Hautklinik eingewiesen. Inzwischen klagte die multimorbide ältere Frau auch über nachlassende Leistungsfähigkeit und Atemnot bei stärkerer Belastung. Die Kollegen in der Hautklinik fanden am rechten Knie und linken Außenknöchel der Patientin mehrere gruppiert angeordnete, lividbraune Plaques und zudem am linken Knie blass-lividbraune Flecken.

Die Histologie des Hautbiopsats zeigte vermehrt dünnwandige Gefäße, wobei in den Endothelkernen einzelner Blutgefäße das humane Herpesvirus Typ 8 (HHV-8) nachgewiesen werden konnte. Zusätzlich fand sich ein entzündungszelliges Infiltrat mit erhöhtem Mastzell­anteil. Die Labor­tests ergaben keine spezifischen pathologischen Ergebnisse, insbesondere keine HIV-Antikörper.

Patientin lehnte Exzision und Radiatio zuerst komplett ab

Die bildgebende Diagnostik von Thorax, Bauch und Becken brachte ebenfalls keinen Nachweis von tumor- oder metastasenverdächtigen Veränderungen. Nachdem der Fall im interdisziplinären Tumorboard diskutiert worden war, bot man der Patientin die Exzision möglichst vieler Kaposi-Läsionen an und eine Radiotherapie der gruppierten Läsionen. Davon wollte die Frau jedoch nichts wissen – sie lehnte jede Therapie ab. Ein Kontrolltermin drei Monate später ergab einen stabilen Hautbefund. Im weiteren Verlauf exzidierte ein niedergelassener Dermatologe ambulant immer wieder einzelne Herde.

Das Kaposi-Sarkom gilt als multilokuläre maligne Neoplasie, die von endothelialen Zellen ausgeht, erklären die Dermatologen Dr. Gesina­ Hansel­, Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt, und Dr. Thomas­ Feigenspan­, Radebeul. Man unterscheidet vier Arten:

  • klassisch, meist bei älteren Männern, gehäuft in Ost- und Süd­europa
  • iatrogen, bei Immunsuppression
  • lymphadenopathisch (endemisch), bei jungen Afrikanern
  • epidemisch, HIV-assoziiert

Ätiologisch kommen verschiedene Faktoren in Betracht, wie genetische Disposition, Expression von Wachstumsfaktoren oder Immunsuppression. Dem Sarkom geht eine Entzündungsreaktion voraus, die auf einer Infektion mit dem HHV-8 beruht und eine ungehemmte Endothelproliferation nach sich zieht.

Chemotherapie nur bei systemischem Befall erwägen

Einzelne Herde können exzidiert oder strahlentherapeutisch behandelt werden. Bei systemischem Befall muss man eine Chemotherapie erwägen. Die Prognose der Tumor­erkrankung hängt von der Art des vorliegenden Kaposi-Sarkoms und vom Ausmaß des Organbefalls ab, schreiben die Autoren. Dass die klassische Form wie in dem beschriebenen Fall bei einer älteren Patientin auftrat, ist eine Besonderheit.

Quelle: Hansel G, Koch A, Wollina U. „Dresdner Dermatologische Demonstration 2019 – 6. April 2019“, Akt Dermatol 2020; 46: 114-122; DOI: 10.1055/a-09701529 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart, New York

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