Lungenkrebs: Sinnvolle Früherkennung für Raucher?

Autor: Dr. Andrea Wülker

Die Untersuchung senkt die Krebsmortalität der Raucher um 20 %. © fotolia/pascalkphoto

Sollte man Risikopatienten mittels pulmonalem Low-dose-CT screenen? Laut einer US-Studie lohnt sich das: Die Lungenkrebsmortalität sank dadurch. Doch hierzulande ist man noch skeptisch.

Mit der Low-dose-CT (LDCT) kann man kleine Tumoren bei geringer Strahlenbelastung abbilden, was das Verfahren für die Krebsfrüherkennung attraktiv macht. Mit konventionellen Übersichtsaufnahmen oder Sputum­untersuchungen gelang es nämlich nicht, die Lungenkrebsmortalität zu senken, schreiben Dr. Bernd Kowall­ von Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie des Uniklinikums Essen und Kollegen.

Tatsächlich ergab die bisher größte Studie, die amerikanische NLST (National Lung Screening Trial), dass sich die Lungenkrebsmortalität durch das LDCT-Screening um relative 20 % reduzieren lässt. Die Gesamtmortalität sank im selben Zeitraum relativ um 6,7 %. In der Studie teilte man über 53 000 Personen mit hohem Lungenkrebsrisiko (s. Kasten) in zwei Gruppen auf. Diese wurden dreimal innerhalb von drei Jahren entweder mit LDCT oder mit Thorax-Röntgenaufnahmen gescreent und im Mittel über 6,5 Jahre beobachtet.

Einschlusskriterien des NLST

  • Personen zwischen 55 und 74 Jahren
  • Raucher mit ≥ 30 Packungsjahren
  • Nikotinkarenz < 15 Jahre

Viermal so viele Karzinome im Stadium I detektierbar

Die Ergebnisse der entsprechenden europäischen Studie (NELSON) stehen noch aus. Zwei kleinere Datensätze konnten die amerikanischen Ergebnisse bisher nicht bestätigen. Schätzungen ergaben allerdings, dass durch eine Einführung des LDCT-Screenings für Risikopersonen mehr als 60 % der Lungenkarzinome bereits im Stadium I entdeckt werden könnten (bisher sind es nur 15 %), was die Prognose der Patienten verbessern dürfte.

In den USA haben die NLST-Ergebnisse überzeugt: Das LDCT-Screening wird dort großflächig eingeführt. Und in Deutschland? Die im Februar 2018 veröffentlichte S3-Leitlinie zum Lungenkarzinom enthält für das LDCT-Screening eine „Kann“-Empfehlung, wenn Personen die Einschlusskriterien der NLST-Studie erfüllen. Falls zusätzliche Risikofaktoren vorliegen (z.B. COPD, Lungenfibrose, Asbest­exposition), wird das „Kann“ auch auf Frauen und Männer ab 50 Jahre und auf Personen mit einer Tabak-Belastung ≥ 20  Jahre ausgedehnt.

Die Diskussion über LDCT ist noch nicht abgeschlossen, betonen die Kollegen. Bevor das Screening bei uns flächendeckend eingeführt wird, muss nachgewiesen sein, dass seine Vorteile mögliche Nachteile klar überwiegen (s. Tabelle).

Mögliche Vor- und Nachteile des Screenings
VorteileNachteile
Entdeckung des Tumors in einem frühen Stadium, daher mehr bzw. ­bessere BehandlungsmöglichkeitenStrahlenbelastung (pro Scan ca. 1,5 mSV; zum Vergleich: Eine Röntgen-Thoraxaufnahme belastet mit 8 mSv)
Potenzielle Senkung der lungenkrebsspezifischen und der GesamtmortalitätFalsch positive Befunde und dadurch eine hohe Zahl an unnötig invasiven Eingriffen
Überdiagnose (Anteil in der NLST-Studie lag bei 11,0–18,5 %)

Zudem bleiben einige Fragen offen:

  • Wem soll das Screening angeboten werden?
  • In welchen Zeitabständen wird gescreent?
  • Wie werden durch das Screening identifizierte Knoten abgeklärt?

Bei aller Diskussion um das Screening: Raucher reduzieren ihre lungenkrebsspezifische Mortalität am effektivsten, wenn sie das Rauchen aufgeben. Daher sollte jede Früherkennung von Programmen zur Entwöhnung begleitet werden. 

Quelle: Kowall B et al. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2018; 61: 1551-1558