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Neuropathien: Akupunktur lindert Taubheit und Schmerzen

Autor: Josef Gulden

Neuropathien lassen sich wegpiksen. Neuropathien lassen sich wegpiksen. © iStock/kyonntra
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Patienten mit Chemotherapie-induzierter Polyneuropathie haben wenig therapeutische Möglichkeiten. Einer kleinen Studie zufolge lindert Akupunktur Schmerzen, Kribbeln und Taubheit.

Periphere Neuropathien zählen zu den Hauptnebenwirkungen vieler Zytostatika. Sie sind schwer zu behandeln und können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Inwiefern Akupunktur gegen die Beschwerden hilft, haben Forscher um Dr. Ting Bao, Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York, in einer monozentrischen randomisierten Studie getestet.

Die 75 Patienten hatten unter Chemotherapie mäßige bis schwere Polyneuropathien mit Taubheit, Kribbeln und/oder Schmerzen entwickelt. Auf einer 10-Punkte-Skala gaben sie ihre Beschwerden anfangs mit mindestens vier Punkten an. Die Teilnehmer waren überwiegend weiblich (80 %), etwa die Hälfte litt an einem Mammakarzinom. 24 von ihnen erhielten acht Wochen eine echte Akupunktur, 23 eine Sham-Akupunktur und 21 die übliche Standardbehandlung. Die echte Akupunktur erfolgte an relevanten Punkten von Ohr und Körper, z.T. auch elektrisch. Bei der Scheinakupunktur wurden an nicht relevanten Punkten Nadeln appliziert, ohne sie richtig einzustechen.

Die Ausgangswerte waren zwischen den Armen vergleichbar. Die Symptomabnahme nach acht Wochen fiel für die echte Akupunktur in allen Punkten signifikant stärker aus als für den Standard (Schmerzen: p = 0,05; Kribbeln: p = 0,02; Taubheit: p = 0,005). Die Scheinakupunktur schnitt lediglich bei den Taubheitsgefühlen besser ab als die konventionelle Behandlung (p = 0,003).

Noch nach zwölf Wochen weniger Schmerzen

Der Effekt der echten Akupunktur hielt lange an: Nach acht Wochen hatte sich der Wert auf der Schmerzskala um -1,75 Punkte reduziert, nach zwölf Wochen betrug er noch -1,74 Punkte (95%-KI -2,6 bis -0,83). Da konnte die Scheinakupunktur nicht mithalten. Sie erzielte nach acht Wochen -0,91 Punkte und nach zwölf -0,34 Punkte (95%-KI -1,3 bis 0,61). Es gab lediglich wenige milde Nebenwirkungen.

Die Autoren betonen, dass dies die erste randomisierte Studie ist, die neben einer konventionellen eine Scheinakupunktur als Kontrolle umfasste. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl, dem kurzen Follow-up und dem monozentrischen Design müssen weitere Studien die Daten bestätigen. 

Quelle: Bao T et al. JAMA Netw Open 2020; 3: e200681; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2020.0681


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