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Trend zur Deeskalierung – Hypofraktionierung bei frühem Brustkrebs erwägen

Autor: Birgit-Kristin Pohlmann

Mehrheitlich wird die hypofraktionierte Radiatio als Standardoption angesehen. (Agenturfoto) Mehrheitlich wird die hypofraktionierte Radiatio als Standardoption angesehen. (Agenturfoto) © Valerii – stock.adobe.com
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Bei den Fragestellungen zur Radiotherapie bei Frauen mit Brustkrebs deutete sich bei den Abstimmungen der Panelisten der diesjährigen St. Gallen International Breast Cancer Conference ein Trend zur De-Eskalation an. Speziell die Hypofraktionierung wurde aufgewertet.

Die moderat hypofraktionierte Ganzbrustbestrahlung mit 15–16 Fraktionen ist ein bevorzugtes Schema bei ER+/HER2- Mammakarzinom im Stadium I/II und brust­erhaltender OP mit negativen Schnitträndern. Dieser Konsens der Experten aus St. Gallen gelte unabhängig vom Alter der Erkrankten. Das ultra-hypofraktionierte Schema mit nur fünf Fraktionen favorisierten bereits 9 % der Panelisten.

Benötigt eine Patientin nach Mastektomie und sofortigem Brustaufbau eine Thoraxwand-Bestrahlung, befürworteten die Kollegen mehrheitlich unabhängig vom Tumorsubtyp die moderate Hypofraktionierung ohne weitere Einschränkungen. In einer späteren, separaten Abstimmung sprach sich eine knappe Mehrheit (59 %) generell dafür aus, dass die hypofraktionierte Radiatio eine Standard­option für Brust, Thoraxwand und Lymphabflussgebiete sei. Lediglich seltene Umstände wie eine erneute Bestrahlung nahmen die Kollegen hiervon aus.

Gut 20 % würden die moderate Hypofraktionierung nur nach brust­erhaltender OP einsetzen – dann aber unabhängig vom Alter. Gut 15 % hatten Bedenken im Fall eines hohen klinischen Rückfallrisikos oder eines prognostisch ungünstigen Subtyps.

Kritisch äußerten sich die Panelisten zu Abrechnungsmodellen, die auf der Anzahl der Bestrahlungsfraktionen basieren. Sie stünden der Implementierung und Akzeptanz der Hypofraktionierung im klinischen Alltag entgegen.

Daten mit Follow-up über mehr als zehn Jahre fehlen

Ob eine brusterhaltend operierte über 70-jährige Frau mit ER+/HER2- Mammakarzinom und einer Lebenserwartung von über zehn Jahren eine adjuvante Radio­therapie erhalten sollte, wollten die Experten weder generell bejahen (90 %) noch generell verneinen (73 %). Ein Verzicht auf die zusätzliche Radiatio wurde mehrheitlich (88 %) bei einem kleinen ER+/HER2- Tumor von weniger als 2,5 cm und niedrigen klinischen bzw. genomischen Risiko befürwortet. Das Problem sei, dass nur Studiendaten mit einer Beobachtungszeit von ca. zehn Jahren nach dem Eingriff vorliegen.

Quelle: 17. St. Gallen International Breast Cancer Conference (virtuell)


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