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Psoriasis Über Kippen, Kinder und neue Konzepte

Autor: Dr. Susanne Gallus

Komorbiditäten sind bei Kindern häufig und belasten die jungen Patienten teils schwer. Komorbiditäten sind bei Kindern häufig und belasten die jungen Patienten teils schwer. © iStock/megaflopp
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Zur Psoriasis wurde schon alles gesagt? Das könnte man meinen. Allerdings gibt es auch bei diesem Evergreen der Dermatologie immer wieder Neues zu entdecken. So könnten z.B. Psoriasis­-Aktivitäts-Typen das Therapiemanagement erleichtern.

Neben positiven Nachrichten zu neuen Antikörpern für die Behandlung der Psoriasis gab es in den vergangenen Monaten auch zu anderen Aspekten rund um die Erkrankung Neuigkeiten. Prof. Dr. ­Ulrich Mrowietz­ von der Hautklinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel stellte eine Auswahl der interessantesten Studien vor.

Risikofaktor Rauchen

Als beeinflussbarer Risikofaktor hat die langfristige Nikotinkarenz in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen. Anlass dafür gaben Studien zur palmoplantaren Pustulose, laut denen Raucher eine deutlich höhere Krankheitsausprägung aufweisen. Eine wichtige Rolle scheint dabei Interleukin(IL)-36 zu spielen, dessen Produktion über hochreguliertes IL-17 bei Rauchern stark gefördert wird und das seinerseits IL-8, das „Pustulogen“ aktiviert. Daten zur Psoriasis vulgaris werden vermutlich in Kürze folgen, so Prof. Mrowietz. In Untersuchungen mit Daten aus Dänemark hat man bereits gezeigt, dass Passivrauchen in der Kindheit das Psoriasisrisiko erhöht.

Anspruchsvolle Patienten in der Pädiatrie

Anders als früher angenommen, manifestiert sich die Psoriasis bei Kindern nicht immer als P. guttata. Das dänische Register (DNBC) zeigte, dass über 80 % der Kinder direkt eine P. vulgaris entwickeln, als Trigger wurde in den meisten Fällen Stress identifiziert (Schule, Kita, Familie), nur bei etwa jedem Vierten waren es rezidivierende Tonsillitiden.

Adipositas für viele ein ständiger Begleiter

Komorbiditäten sind bei Kindern häufig und belasten die jungen Patienten teils schwer. In einer italienischen Studie wies fast jedes dritte Kind im Alter von drei bis zehn Jahren mit Psoriasis auch ein metabolisches Syndrom auf, viele davon bereits mit einer nachweisbaren Hypertonie, neun von zehn Kindern hatten zentrales Übergewicht.

In puncto Lebensqualität gilt es bei pädiatrischen Patienten ebenfalls, aufmerksam zu sein. Zum einen nimmt das familiäre Umfeld deutlichen Einfluss – positiv (unterstützend) wie negativ (z.B. mit Spitznamen wie „Schuppi“). Zum anderen zeigte sich in einer niederländischen Studie, dass sich die Lebensqualität der jungen Patienten erst ab einem PASI-90-Ansprechen signifikant verbessert. „Kinder haben hohe Ansprüche an die Therapie. Vielleicht sogar höhere als Erwachsene. Sie erwarten (nahezu) Erscheinungsfreiheit“, so der Kollege.

Das liegt z.T. auch am Befallsmuster, da meist gut sichtbare Areale betroffen sind, wie der behaarte Kopf, der schuppt und juckt. Zudem empfinden Kinder eine Systemtherapie oft als angenehmer als eine topische Therapie. Dabei bietet sich die komfortable Situation, dass viele Biologika bereits ab sechs Jahren zugelassen sind und auch von Kindern gut angenommen werden.

Abwärtsspirale unterbrechen, und das so früh wie möglich

Faktoren wie Unheilbarkeit der chronischen Erkrankung, Probleme mit der Symptomkontrolle oder Stigmatisierungen schaukeln sich über die Zeit so weit hoch, bis psychische Erkrankungen und Störungen auftreten. „Diese Entwicklung gilt es zu unterbrechen, zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt“, betonte Prof. Mrowietz.

Lieber keine Eigenverantwortung

Dass Stress von einem Großteil der Patienten als Auslöser für eine Verschlimmerung der Beschwerden genannt wird, kann auch daran liegen, dass Stress, im Gegensatz zu beispielsweise Übergewicht, als etwas wahrgenommen wird, das man selbst nicht in der Hand hat. Patienten scheinen immer weniger gewillt zu sein, selbst aktiv zu werden, um ihre Krankheit zu verbessern, berichtete Prof. Mrowietz. „Sie delegieren die Verantwortung an uns als Ärzte.“ Das ist ein Trend, der sich weltweit beobachten lässt. Es wird erwartet, dass der Arzt etwas verschreibt, was dann die Situation bessert. Auch in Patientenorganisationen werde darüber derzeit viel diskutiert.

Die vier Typen der Psoriasis

Wichtig für die Erfassung der Krankheitsschwere bzw. des Verlaufs sind Scores. Neben den altbekannten – PASI, BGA, PGA und NRS – stellte der Kieler Dermatologe ein neues Konzept vor, das er und seine Kollegen in Kiel entwickelt haben. ActiPso ist ein Instrument zur Erfassung von Patient-reported-Outcomes. In einer Auswertung, bei der dieser fertige Fragebogen mit 586 Patienten getes­tet wurde, zeigte sich, dass sich alle Krankheitsverläufe in vier Gruppen unterteilen lassen:
  • stabiler Typ: Die Krankheitsaktivität bleibt in der Regel über das Jahr gleich (41 %).
  • instabiler Typ: Die Krankheitsaktivität wechselt im Laufe des Jahres (23 %). 
  • Winter-Typ: Die Krankheitsaktivität zeigt eine „Sommerdelle“ und ist in den Wintermonaten hoch (31 %).
  • Sommer-Typ: Die Krankheitsaktivität ist in den Sommermonaten hoch (6 %).
Optional konnten die Patienten angeben, ob es vorkommt, dass die Intensität (Schwere der Läsionen, Juckreiz) durch ein Ereignis bzw. einen Auslöser plötzlich zunimmt und dann wieder abklingt. Diese „Trigger-Typen“ kamen am häufigsten bei Winter- (74 %), instabilen (68 %) und Sommer-Typen vor (59 %) und waren bei der stabilen Psoriasis seltener (36 %).

Die meisten nennen Stress als Trigger für Schübe

Die genaue Betrachtung dieser Patienten förderte laut Prof. Mrowietz­ Weiteres zutage: In über 90 % der Fälle, in denen diese dem Schub ein auslösendes Ereignis zuordnen konnten, war dieses Stress, meist im schulischen oder beruflichen Umfeld. Ein Bias sei dabei allerdings nicht auszuschließen. Ein Drittel gab Infektionen als Trigger an, bei nur ca. 4 % wurden Medikamente als Auslöser vermutet. Diese Verteilung sollte nach Meinung des Experten definitiv im Gespräch mit den Patienten berücksichtigt werden. Derzeit laufen Studien u.a. dazu, inwieweit die verschiedenen Typen mit Therapieansprechen, Rezidiven, psychosozialen Faktoren oder genetischen Merkmalen korrelieren.

Kongressbericht: 15. Dermatologie-Update-Seminar 2021

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