Warum gehen immer mehr Menschen zum Schönheitschirurgen?

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Jeder Dritte findet ästhetische Eingriffe generell in Ordnung. © iStock.com/jacoblund

Um einem bestimmten Idealbild zu entsprechen, legen sich immer mehr Menschen auf den OP-Tisch. Tatsächlich werden ihre Erwartungen in den meisten Fällen erfüllt.

Wie die idealen Körperformen auszusehen haben, bekommen schon kleine Mädchen mit Computerspielen wie Miss Bimbo suggeriert. Im Spiel geht es darum, die Protagonistin zu stylen, um sie an den Mann zu bringen. Dafür muss u.a. das nötige Geld für Schönheitsoperationen zusammengetrommelt werden, berichtete Professor Dr. Michael Berner von der Klinik für Psychiatrie am Städtischen Klinikum Karlsruhe.

Ein breiteres Publikum findet der ideale Körper in den Medien – teils mit Photoshop geschönt –, was ebenfalls zur Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen führen und das Interesse an kosmetischen Operationen wecken kann. Und tatsächlich boomt der Markt: Weltweit haben sich 2017 etwa 1,6 Millionen Menschen Fett absaugen, 1,5 Millionen die Brüste mit Silikon augmentieren und 1,3 Millionen Lidplastiken vornehmen lassen.

Jeder Dritte findet ästhetische Eingriffe generell in Ordnung

900 000 unterzogen sich Nasenkorrekturen, 800 000 einer Bauchstraffung. Jeweils 500 000 ließen sich die Gesichtsfalten wegliften bzw. die Brust verkleinern und über 300 000 das Gesäß aufpeppen. „Und das sind nur die Zahlen von Operationen durch qualifizierte Chirurgen“, unterstrich Prof. Berner. Welche Auswüchse die „Optimierung“ des Aussehens hervorbringen kann, zeigt das Beispiel des Reality-TV-Stars Sophia Wollersheim (s. Abb. rechts), die sich inzwischen Sophia Vegas nennt. Nach riesigen Brüsten, aufgespritzten Lippen und einer schmäleren Nase musste auch noch eine Wespentaille à la Barbie her. Dieser Wunsch ließ sich erfüllen durch Entfernen der unteren Brustrippen; allerdings musste sie dafür in die USA reisen.

Wie die Bevölkerung in Deutschland zu Schönheitsoperationen steht, versuchte man vor einigen Jahren per Umfrage herauszufinden. Mehr als die Hälfte der Männer und Frauen hielt sie für gerechtfertigt, wenn sie Leiden lindern. Etwa ein Drittel befand, dass jeder machen könne, was er wolle. Nur etwa 15 % lehnten kosmetische Eingriffe grundsätzlich ab. Wer eine kosmetische OP für sich in Betracht zieht, erhofft sich davon, einen körperlichen Makel zu beheben, an Selbstbewusstsein zu gewinnen und bessere Chancen bei der Partnersuche zu haben. Auf Männer trifft dies häufiger zu als auf Frauen, während Letztere öfter eine allgemein größere Lebenszufriedenheit erwarten.

Formschöne Lippen – auch untenrum

Zur Zufriedenheit mit dem eigenen Körper gehört offenbar für manche Frauen auch eine Designer-Vagina. Man kann sie durch Straffung der äußeren Labien oder durch Perineoplastik erreichen. Ziel des Eingriffs ist eine Annäherung an das präpubertäre Erscheinungsbild mit nicht sichtbaren, engen Labia minora und engem Introitus vaginae. Mehr als 90 % der Frauen, die sich in diesem Bereich verschönern ließen, waren im Follow-up einer Studie zufrieden mit dem Resultat. Auch die sexuelle Funktion hatte sich subjektiv signifikant verbessert.

Mancher versucht, mit der OP seine Partnerschaft zu retten

Wie Prof. Berner darlegte, werden die genannten Hoffnungen häufig erfüllt. 82 % der Männer und 67 % der Frauen, die sich haben operieren lassen, sagen im Nachhinein, dass sie sich wieder für den Eingriff entscheiden würden. Insgesamt liegen die Zufriedenheitsraten mit plastisch-ästhetischen Eingriffen bei über 75 %, am höchsten bei der Brustchirurgie mit 80–90 %, am geringsten bei der Rhinoplastik mit 55 %. „Hier fremdeln offenbar viele mit ihrem neuen Look“, so Prof. Berner.

Zu den weniger Zufriedenen gehören häufiger Männer und Jüngere, Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen wie Depression, Angststörung, körperdysmorpher Störung, narzistischer oder Borderline-Persönlichkeitsstörung. Enttäuscht werden häufig auch Menschen, die mit einer OP ihre Partnerschaft retten wollen, die mit früheren Eingriffen schon unzufrieden waren und die objektiv betrachtet nur minimale körperliche Mängel aufweisen.

Quelle: DGPPN* Kongress 2018

* Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde


Aussehen wie Barbie – für Sophia Vegas offenbar ein erstrebenswertes Lebensziel. © picture alliance/AP/Invision