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CAR-T-Zellen Allogene und autologe Produkte im direkten Vergleich

CAR-T-Zell-Meeting 2022 Autor: Josef Gulden

Sowohl bei autologen als auch allogenen CAR-T-Zellen besteht das Risiko von potenziell schweren Toxizitäten. Sowohl bei autologen als auch allogenen CAR-T-Zellen besteht das Risiko von potenziell schweren Toxizitäten. © iStock/ttsz
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Die bisher zugelassenen CAR-T-Zellen werden individuell für jeden einzelnen Patienten aus dessen eigenen T-Lymphozyten hergestellt – ein Prozess, der extrem aufwendig und entsprechend kostspielig ist. Gelänge es, allogene Produkte für viele Betroffene anwendbar zu machen, hätte das zahlreiche Vorteile.

Könnte man CAR-T-Zellen allogen herstellen, ließen sich diese „off the shelf“ – also von der Stange – produzieren. Zurzeit erfolgt der Ansatz jedoch autolog, was wesentlich aufwendiger ist. In seinem Vortrag stellte Prof. Dr. Jürgen Kuball, University Medical Center, Utrecht, Charakteristika sowie Vor- und Nachteile beider Ansätze einander gegenüber.

Die bisher klinisch angewendeten autologen CAR-T-Zellen stammen von dem zu behandelnden Patienten selbst, die allogene Variante hingegen von einem gesunden Spender. Die Herstellung eines autologen Produkts erfordert eine komplexe Logistik, aufgrund derer es zu Verzögerungen zwischen Leukapherese und Infusion kommt. Die Produktion der allogenen Zellen hingegen kann sehr viel rationeller gestaltet werden: Eine große Zahl von Zellen von einem einzigen gesunden Spender wird mit dem CAR versehen und eingefroren. Einzelne Chargen davon sind damit bei Bedarf kurzfristig für viele Erkrankte verfügbar. Eine solche allogene Anwendung setzt jedoch weitere gentechnische Modifikationen voraus – etwa die Ausschaltung des T-Zell-Rezeptors –, durch die die Alloreaktivität stark eingeschränkt werden soll.

Zulassungen und Indikationen

Autologe CAR-T-Zellen sind bislang zur Therapie hämatologischer Erkrankungen wie der akuten lymphatischen Leukämie, aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen und des Multiplen Myeloms zugelassen. Zu allogenen Zellen laufen hierzu erste klinische Studien, so Prof. Kuball. Für solide Tumoren gibt es noch keine praktischen Anwendungen.

Sowohl bei autologen als auch allogenen CAR-T-Zellen besteht das Risiko von potenziell schweren Toxizitäten, vor allem eines Zytokinfreisetzungssyndroms. Außerdem sind Langzeitauswirkungen möglich: Im Fall der bereits zugelassenen gegen das CD19-Antigen gerichteten Produkte kann sich eine B-Zell-Aplasie entwickeln. Die allogenen CAR-T-Zellen bergen zudem ein gewisses Risiko für Graft-versus-Host-Reaktionen, wenn die vorgenommenen zusätzlichen Modifikationen die Alloreaktivität nicht ausreichend unterbinden können. Auch können sie potenziell vom körpereigenen Immunsystem abgestoßen werden. Die Persistenz der beiden Produkte ist sehr unterschiedlich: Die autologen Zellen können über Monate bis zu Jahren im Körper verbleiben und für eine Kontrolle der Krebserkrankung sorgen; die Autoren einer kürzlich publizierten Studie konnten bei einzelnen Patienten Zellen noch zehn Jahre nach der Behandlung nachweisen. Für die allogene Variante hingegen erwarten Experten eine kurze bis mittlere Verweildauer im Bereich von Wochen bis zu Monaten. Eine erneute Gabe von CAR-T-Zellen ist bei der autologen Version prinzipiell möglich, wird aber durch die begrenzte Anzahl der gewonnenen Zellen limitiert. Diese Einschränkung entfällt für das allogene Produkt; hier steigt aber das Risiko einer Alloimmunisierung.

Kosten spielen eine Rolle

Letztendlich spielt auch der Preis eine Rolle, gab Prof. Kuball schließlich zu bedenken. Die Kosten für die autologen CAR-T-Zellen sind sehr hoch, auch wenn künftig Senkungen denkbar erscheinen. Die allogene Version kann durch die „Massenproduktion“ demgegenüber sehr viel kostengünstiger hergestellt werden.

Quelle:
Kuball J. 4th European CAR T-cell Meeting; NG02-3
4th European CAR T-cell Meeting

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