Alzheimer mittels optischer Kohärenztomographie-Angiographie erkennen?

Autor: Dr. Susanne Gallus

Hat sie Alzheimer? Die Retina-OCT-Angiographie hilft bei der Diagnose. © iStock/KatarzynaBialasiewicz

Für das Alzheimer-Screening der Zukunft reicht vielleicht ein Blick auf die Netzhaut. Ein retinaler Kapillarverlust könnte die Gefäßdegeneration im Gehirn widerspiegeln.

Die Retina gesunder Menschen ist von zahlreichen mikroskopisch kleinen Blutkapillaren durchzogen. Bei Alzheimer-Patienten wird dieses Netz löchrig, stellte ein Team um Stephen P. Yoon vom Department of Ophthalmology der Duke University in Durham, USA, fest.

Die Wissenschaftler hatten die retinale Blutversorgung von mehr als 200 Personen mittels OCTA analysiert. Das Verfahren basiert auf der optischen Kohärenz­tomographie (OCT), die eine nicht-invasive Angio­graphie (A) mit detaillierter Darstellung der Kapillar­durch­blutung erlaubt. Verglichen mit 133 gesunden und 37 nur leicht kognitiv beeinträchtigen Testpersonen hatten die 39 Alzheimer-Patienten eine deutlich reduzierte Gefäßdichte mit gleichzeitig geringerem Durchfluss.

Auch war der innere Netzhautbereich mit Ganglien­zellen und deren synaptischen Verknüpfungen dünner. Der Verlust der Kapillaren im Auge könnte die Gefäßdegeneration im Gehirn widerspiegeln, spekulieren die Studien­autoren. Zwischen gesunden und nur leicht kognitiv beeinträchtigen Personen gab es allerdings nur einen Unterschied: Die Netzhautschicht mit den Fotorezeptoren war signifikant dünner.

Quelle: Yoon SP et al. Ophthalmol Retina 2019; online first