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Antidepressiva auch bei milden Depressionen sinnvoll

Autor: Maria Fett

Der Einsatz ist laut einem Experten klinisch gerechtfertigt. Der Einsatz ist laut einem Experten klinisch gerechtfertigt. © iStock/VlaDee
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Die Statistik macht den Unterschied: Das zeigt sich gerade beim Thema Depressionen, wo eine aktuelle Analyse mit früheren Mythen aufräumt.

Antidepressiva wirken erst bei schweren Depressionen besser als Placebo? Von wegen! 2008 stießen die Ergebnisse einer Metaanalyse eine heftige Debatte an.1 Deren Autoren resümierten damals: Im Grunde bringen Antidepressiva bei leichten Depressionen wenig. Erst für schwere Ausprägungen lohnt sich ein Einsatz, sonst reichen auch Placebos.

Unter seinen Kollegen wird das Thema bis heute „virulent diskutiert“, sagte Professor Dr. Erich Seifritz, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich. Ein Jahrzehnt später zeigte sich: Wie sooft ist es mehr eine Frage der Perspektive – beziehungsweise der Statistik.

Schwedische Forscher analysierten Daten aus 28 randomisiert kontrollierten Studien mit einem neuen Ansatz.2 Sie gingen davon aus, dass jene Items der Hamilton-Depressionsskala, die auf sekundäre Beschwerden einer Depression wie Schlaf- oder sexuelle Probleme abzielen, die Wirksamkeit von selektiven Serotonin- Wiederaufnahmehemmern (SSRI) verzerren.

Einsatz laut Experte klinisch gerechtfertigt

Berechnet man die Effekte der Präparate nur für die Kernsymptome (zum Beispiel Schuldgefühle, psychomotorische Verlangsamung oder Angst), zeige sich sehr wohl eine klare antidepressive Wirkung bei leichten Ausprägungen, so Prof. Seifritz. Er hält einen Einsatz daher für klinisch gerechtfertigt.

Quellen:
1. Kirsch I et al. PLoS Med 2008; 5: e45; DOI: 10.1371/journal.pmed.0050045
2. Hieronymus F et al. Lancet Psychiat 2019; 6: 745-752; DOI: 10.1016/S2215-0366(19)30216-0

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