Axiale Spondyloarthritis: Rückenschmerzen bei jungen Patienten kritisch prüfen

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp/Dr. Anja Braunwarth

Rückenschmerzen sollten nicht zu schnell als unspezifisch abgetan werden. © iStock/MARHARYTA MARKO

Da können sich Rheumatologen den Mund fusselig reden, aber in Sachen axiale Spondyloarthritis verhallen die Rufe offenbar ungehört. Wie sonst lässt es sich erklären, dass immer noch mindestens fünf Jahre bis zur korrekten Diagnose vergehen?

Bislang gilt nur etwa jeder fünfte chronische Rückenschmerz als spezifisch. Doch mit etwas Wachsamkeit sollte es gelingen, Patienten mit einer axialen Spondyloarthritis (axSpA) aus dem großen Pool der im Kreuz Geplagten frühzeitig herauszufischen, monieren Privatdozentin Dr. Uta Kiltz vom Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne und ihre Kollegen.

Die axiale Spondyloarthritis beginnt in der Regel im dritten Lebensjahrzehnt. Das Leitsymptom ist der chronische Rückenschmerz, aber darüber hinaus gibt es meist deutliche Hinweise für eine entzündliche Genese. Neben dem jungen Alter gehören dazu:

  • schleichender Beginn
  • nächtlicher Schmerz mit Erwachen in der zweiten Nachthälfte
  • Besserung bei Bewegung
  • wechselnder Gesäßschmerz und
  • Morgensteifigkeit > 30 Minuten

Diese Konstellation zusammen mit dem guten Ansprechen auf NSAR eignet sich im ersten Anlauf am ehesten dazu, die entzündliche Erkrankung gegenüber dem überwiegend biomechanisch bedingten Rückenschmerz abzugrenzen, schreiben die Rheumatologen. Ein positiver HLA-B27-Status ist ebenfalls ein Hinweis.

Entzündete Gelenke auch außerhalb der Wirbelsäule

Die weitere Abklärung erfolgt dann idealerweise beim Rheumatologen primär auf Basis der Bildgebung. Den größten Stellenwert hat in den frühen Krankheitsphasen der Nachweis einer Sakroiliitis und in den eher späten Phasen das Vorliegen von Syndesmophyten. Im Röntgenbild lässt sich die Sakroiliitis von degenerativen, myofaszialen, tumorösen oder septischen Läsionen abgrenzen.

Bei vielen Patienten manifestiert sich die Krankheit auch außerhalb des Achsenskeletts. So findet man häufig zusätzliche Entzündungen an Sehnenansätzen und Gelenken außerhalb der Wirbelsäule. Die periphere Arthritis als axSpA-Begleitsymptom imponiert meist als asymmetrische Oligoarthritis vor allem der unteren Extremitäten, die sich klinisch nicht von anderen Arthritiden unterscheidet. Eine Beteiligung der Hüftgelenke gilt bei vielen Patienten als prognostisch ungünstig und geht mit einer Totalendoprothetik schon in jungen Jahren und einer schlechteren körperlichen Funktionsfähigkeit einher.

Eine Enthesitis kann prinzipiell an vielen Orten auftreten, betrifft bevorzugt aber die Achillessehne. Entzündungszeichen an Sehnenansatzstellen – nicht zu verwechseln mit Tendovaginitiden – ist für axSpA-Patienten pathognomonisch, schreiben die Rheumatologen. Patienten mit Erkrankungsbeginn schon in der Jugend sowie Patienten mit zusätzlicher Psoriasis scheinen besonders betroffen zu sein.

Darmbeteiligung verläuft häufig asymptomatisch

Auch extraartikuläre Erkrankungen kommen bei axSpA-Patienten häufig vor. Dazu zählen eine anteriore Uveitis, Psoriasis und chronisch entzündliche Darmerkrankungen – letztere zum Teil asymptomatisch mit lediglich mikroskopischen Zeichen einer intestinalen Entzündungsreaktion. Solche Komorbiditäten abseits der Gelenke, zusammen mit chronischen Rückenschmerzen vor allem bei Jüngeren, sollten immer zur Verdachtsdiagnose axSpA führen.

Quelle: Kiltz U et al. internistische praxis 2019; 60: 485-491