Blutdruck unter 107 mmHg erhöht das Sterberisiko bei über 80-Jährigen

Autor: Dr. Judith Lorenz

Gerade im hohen Alter ist es wichtig, einen individuell abgestimmten Zielwert für den Blutdruck zu haben. © iStock.com/sanjagrujic

Jenseits der 80 Jahre kommt man mit der Devise „je niedriger, desto besser“ bei Hypertonikern nicht weiter. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt, welche Werte stattdessen anvisiert werden sollten.

Angesichts der demographischen Entwicklung stellt sich die Frage, inwiefern ein hoher bzw. niedriger Blutdruck das Sterberisiko hochbetagter Menschen beeinflusst, schreiben Dr. Yue-Bin Lv vom National Institute of Environmental Health des Chinese Center for Disease Control and Prevention, Peking, und Kollegen. Sie untersuchten den Zusammenhang zwischen Blutdruck und Mortalität an Daten von 4658 Chinesen. Ihr Durchschnittsalter betrug zur Baseline rund 92 Jahre.

Während des dreijährigen Beobachtungszeitraums verstarben 1997 Teilnehmer, wobei die Wissenschaftler einen U-förmigen Zusammenhang zwischen dem systolischen Blutdruck und der Gesamtmortalität entdeckten. Demnach bestand das gerings­te Drei-Jahres-Sterberisiko bei einem systolischen Wert von 129  mmHg, Werte < 107 mmHg bzw. > 154 mmHg zeigten ein höheres Risiko an.

Zudem fanden Dr. Lv und Kollegen heraus, dass jenseits der 154-mmHg-Marke die Wahrscheinlichkeit kardiovaskulärer Tode steigt. Demgegenüber war bei Werten < 107 mmHg das Risiko nicht-kardiovaskulärer Komplikationen signifikant erhöht.

Hypertonieleitlinie nicht unreflektiert anwenden

Für Ü80-Jährige gelten demnach andere Normwerte als für Jüngere, so die Forscher. Sie warnen davor, die Empfehlungen der allgemeinen Hypertonieleitlinien unreflektiert auf das untersuchte Kollektiv anzuwenden. Vielmehr bedürfe es eines speziell auf (sehr) alte Menschen abgestimmten Blutdruckmanagements.

Quelle: Lv YB et al. BMJ 2018; 361: k2158