COPD: Aktuelle Tipps zu einem alten Bewegungs-Thema

Autor: Friederike Klein

Von den Patienten mit CODP ist nur ein Drittel im Alltag aktiv. © iStock/maki_shmaki

Nur gut die Hälfte der älteren Mitbürger ist im Alltag aktiv. Von den Patienten mit chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung ist es sogar nur ein Drittel. Schon mit ein wenig mehr Bewegung könnten alle ihr Mortalitätsrisiko senken.

Um die körperliche Aktivität von COPD-Patienten einschätzen zu können, empfiehlt Dr. Rainer Glöckl, Leiter des Forschungsinstitut für Pneumologische Rehabilitation an der Schön Klinik Berchtesgadener Land, zwei Fragen zu stellen:

  • An wie vielen Tagen der letzten Woche waren sie über mindestens dreimal zehn oder einmal dreißig Minuten körperlich moderat aktiv (mit erhöhter Herzfrequenz und/oder Atmung)?
  • An wie vielen Tagen in einer typischen Woche haben Sie diese körperlichen Aktivitäten durchgeführt? Fünf und mehr Tage sind jeweils günstig, weniger ungünstig, erläuterte Dr. Glöckl.

Patienten können oft mehr als sie machen

Im Verlauf einer COPD geht die Abnahme der körperlichen Aktivität der zunehmend geringeren Leistungsfähigkeit immer ein Stück voraus – die Patienten könnten häufig mehr, als sie machen. Das gilt allerdings nicht für jene mit sehr geringer körperlicher Leistungsfähigkeit. Viele müssen erst durch ein gezieltes Training an ein Leistungsniveau herangeführt werden, dass es ihnen ermöglicht, selbst im Alltag aktiv zu sein.

Tatsache ist jedoch, dass die pneumologische Rehabilitation zwar oft eine höhere Leistungsfähigkeit gemäß dem 6-Minuten-Gehtest schafft, aber die Alltagsaktivitäten des Kranken kaum zunehmen. Die Ärzte in der Rehabilitationsmedizin kämpfen also mit denselben Problemen wie Hausärzte, unterstrich Dr. Glöckl. Auch regelmäßig durchgeführte Gespräche über die günstigen Effekte von körperlicher Aktivität hätten meist nicht den gewünschten anhaltenden Erfolg.

Sich selbst feste Verpflichtungen schaffen

Wichtige Faktoren eines erfolgreichen Aktivitäts-Coachings neben den Gesprächen sind laut Aussage des Kollegen ein Aktivitätsmonitoring, z.B. mit Schrittzählern, Fitness-Trackern etc., und konkrete Ziele. So sollte man COPD-Patienten mindestens 3500 Schritte pro Tag empfehlen. Je mehr Schritte, umso eher bessert sich die Lebenserwartung. Ziel sind mehr als 7000 Schritte pro Tag. In der pneumologischen Rehabilitation wird eine Steigerung um 600 Schritte pro Tag empfohlen, um das Risiko für Rehospitalisierungen zu senken. Ebenfalls von Bedeutung ist das regelmäßige motivierende Feedback.

„Keine Zeit, keine Energie, keine Möglichkeiten, schlechtes Wetter“ – Ausreden, um sich vor körperlicher Aktivität zu drücken, gibt es viele. Das trifft allerdings auch auf die möglichen Überwindungsstrategien zu. Dazu gehören:

  • Tägliche Routinen aufzubauen, z.B. zu Fuß zur Arbeit oder zum Einkaufen gehen, Gymnastik vor dem Fernseher
  • Die Tageszeit mit der größten selbst empfundenen Energie für Aktivitäten zu nutzen
  • Aktivitäten im Voraus fest einzuplanen
  • Feste Verpflichtungen zu schaffen (z.B. Lungensport)
  • Sich mit anderen zu Aktivitäten zu verabreden (auch: mit Hund Gassi gehen, etwas mit Enkelkindern unternehmen)
  • Einfach mal auszuprobieren, ob eine Aktivität nicht doch Energie gibt
  • Aktivitäten zu suchen, die Spaß machen und die ggf. keinenAusrüstungsbedarf haben
  • Eine Liste mit Schlecht-Wetter-Aktivitäten vorzubereiten – zu diesen gehören z.B. Strampeln auf dem Fahrradergometer, Treppen steigen, Tanzen und Gymnastik
  • Ein Aktivitätsprotokoll zu führen

Quelle: 50. Bad Reichenhaller Kolloquium