Corona vom Klositz: Fäkal-orale Übertragung von SARS-CoV-2 theoretisch möglich

Autor: Dr. Sascha Bock

Einige mit dem Coronavirus Infizierte zeigten vorwiegend Symptome wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Einige mit dem Coronavirus Infizierte zeigten vorwiegend Symptome wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. © dottedyeti, Africa Studio – stock.adobe.com

Das Coronavirus SARS-CoV-2 scheint nicht nur den Respirationstrakt zu befallen. Auch eine gastrointestinale Manifestation ließ sich inzwischen bestätigen – samt der Möglichkeit einer fäkal-oralen Übertragung.

In den letzten Monaten gab es immer wieder Corona­infizierte, die sich vorwiegend mit Symptomen wie Diarrhö, Nausea und Obstipation präsentierten.¹ Zu den typischen respiratorischen Beschwerden Fieber, Husten und Dsypnoe kam es erst im Verlauf.

Woher kommen Durchfall, Übelkeit und Erbrechen?

SARS-CoV-2 befällt also offenbar auch den Magen-Darm-Trakt. Das liegt daran, dass das Virus den sogenannten ACE2-Rezeptor nutzt, um in die Wirtszelle einzudringen. Neben z.B. alveolären Zellen exprimiert vor allem das gastrointestinale Drüsenepithel reichlich davon, wie eine aktuelle Studie zeigte.²

In derselben Untersuchung analysierten chinesische Kollegen u.a. den Stuhl von 73 hospitalisierten Coronapatienten. Bei 39 befand sich SARS-CoV-2-RNA in den Proben. Der Erreger war zwischen einem und zwölf Tagen nachweisbar. Bei 17 Betroffenen fiel die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) sogar noch positiv aus, als die naso- und oropharyngealen Abstriche bereits negativ waren. Die Autoren empfehlen daher routinemäßige Stuhlanalysen für Infizierte und entsprechende Schutzmaßnahmen, solange die Tests auffällig bleiben.

Dass die fäkal-orale Übertragung durchaus eine wichtige Rolle spielen könnte, verdeutlicht auch eine Publikation aus Südkorea.³ Die dortigen Kollegen haben die Isolierzimmer von drei Betroffenen samt Bad unter die Lupe genommen. In zwei Räumen wurden Oberflächenabstriche nach der regelmäßigen Reinigung entnommen, in einem davor.

Wie erfolgreich sind Hygienemaßnahmen gegen die Viren?

Im kontaminierten Zimmer klebten SARS-CoV-2-Viren (Nachweis mittels PCR) an 13 von 15 Flächen bzw. Gegenständen, darunter Fensterscheibe, Stuhl und das im Raum hängende Stethoskop. Unter den Bad-Proben waren drei von fünf positiv, und zwar solche von Toilettenschüssel, Waschbeckeninnenseite und Türgriff. Beim entsprechenden Patienten wurde in zwei Stuhltests Erreger-RNA gefunden, Durchfall hatte er nicht.

Immerhin: Die aktuellen Desinfektionsmaßnahmen reichen wohl aus. In den beiden frisch gereinigten Zimmern waren alle Abstriche frei von dem Virus. Diese Ergebnisse unterstreichen also einmal mehr die Notwendigkeit einer strikten Umgebungs- und Handhygiene.

Quellen:
¹ Gu J et al. Gastroenterology 2020; DOI: 10.1053/j.gastro.2020.02.054
² Xiao F et al. Gastroenterology 2020; DOI: 10.1053/j.gastro.2020.02.055
³ Ong SWX et al. JAMA 2020; DOI: 10.1001/jama.2020.3227

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