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Coronavirus: Atemschutzmasken bei Husten sinnlos?

Autor: Tim Förderer

Wie viel Sinn hat ein chirurgischer Mund-Nasen-Schutz bei Husten? Wie viel Sinn hat ein chirurgischer Mund-Nasen-Schutz bei Husten? © iStock/petesphotography
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Politik und Forschung diskutieren seit einiger Zeit darüber, ob in Deutschland das Tragen von Atemschutzmasken sinnvoll sein kann. Zwei aktuelle Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Die Diskussion nimmt kein Ende: Schützen Atemschutzmasken vor der Übertragung von SARS-CoV-2 oder tun sie es nicht? Das haben Forscher aus Südkorea nun untersucht.1 Dafür ließen sie vier an COVID-19 Erkrankte in Petrischalen husten – einmal ohne Maske, einmal mit einem chirurgischen Mund-Nasen-Schutz, einmal mit zweilagiger Baumwollmaske und noch einmal ohne Schutz. FFP2/3-Masken wurden nicht getestet.

Virus durch die Masken gepresst

Auf allen vier Petrischalen fanden die Wissenschaftler Virusmaterial in ähnlichen Mengen. Abstriche an den Masken selbst brachten ein erstaunliches Ergebnis: Sowohl die Profi-Maske als auch das Baumwollprodukt wiesen den Erreger auf – und zwar auf der Außenseite. Die Tests an der Innenseite waren hingegen meist negativ. Die Autoren vermuten, dass das Virus durch den Druck des Hustens durch die Maske gepresst wurde oder über die Seitenränder auf die Außenseite gelangte. Die getesteten Masken scheinen nicht vor einer Verbreitung von SARS-CoV-2 durch Husten zu schützen, so ihr Fazit.

Kein Nachweis in Aerosol und Tröpfchen

Einen anderen Ansatz hat eine gerade veröffentlichte Studie aus der Zeit vor COVID-19 gewählt.2 Die Kollegen aus Hongkong prüften die Übertragung über die Ausatemluft. Dafür mussten 246 Patienten mit mindestens einer Atemwegserkrankung (Corona-, Influenza- oder Rhinovirus) 30 Minuten in einer hermetisch geschlossenen Zelle in eine spezielle Apparatur atmen. Eine Hälfte der Teilnehmer trug dabei chirurgische Atemmasken. Während der Messung husteten die Patienten im Schnitt achtmal, etwa jeder vierte bis fünfte Teilnehmer hustete gar nicht. Das Gerät maß die Viruslast in Tröpfchen (> 5 μm) und Aerosol (< 5 μm).

Bei den Influenza-Erkrankten konnten die Schutzmasken lediglich die Viruslast in den Tröpfchen minimieren. Auf das Aerosol hatten sie keinen Einfluss. Anders bei saisonalen Coronaviren: In beiden Ausatemprodukten fanden sich keine Viren. Hinsichtlich der Emission von Rhinoviren zeigten die Masken keinen Effekt.

Den Autoren ist bewusst, dass sie keine direkten Aussagen zum Schutz vor SARS-CoV-2 machen können. Sie weisen aber darauf hin, dass die gemessenen Coronaviren eng mit dem jetzigen Erreger verwandt sind. Auf Basis ihrer Daten gehen sie davon aus, dass Atemschutzmasken eine sinnvolle Maßnahme zur Verringerung der Verbreitung von SARS-CoV-2 sein können. 

Quellen:
1. Seongman B et al. Ann Int Med 2020; DOI: 10.7326/M20-1342
2. Leung, NHL et al. Nat Med 2020; DOI: 10.1038/s41591-020-0843-2


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