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Alltagsmasken im Hustentest: Mehrere Stofflagen filtern ultrafeine Partikel am besten

Autor: Dr. Judith Lorenz

Bei der Verwendung von Alltagsmasken aus Stoff gilt es, gewisse Gesundheitsgefahren zu beachten. Bei der Verwendung von Alltagsmasken aus Stoff gilt es, gewisse Gesundheitsgefahren zu beachten. © iStock/frimages
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Handgemachte Alltagsmasken gehören inzwischen zum Coronastadtbild. Wie effektiv sind die verschiedenen Ausprägungen eigentlich? Eine Forschergruppe hat sich was Husten lassen.

Der Mund-Nasen-Schutz gehört mittlerweile zum ständigen Begleiter der pandemiegeplagten Weltbevölkerung. Aufgrund des Mangels an professionellen Masken, sogenannten N95-Atemschutzmasken, nutzen viele Menschen handgemachte Modelle. Diese sollen insbesondere die Virusverbreitung eindämmen, indem sie ausgestoßene Tröpfchen zurückhalten.

Da die größte Anzahl potenziell infektiöser Partikel beim Husten generiert wird, prüften Eugenia O‘Kelly von der Universität Cambridge und weitere Forscherkollegen, wie gut 20 gängige, zur Herstellung von Alltagsmasken verwendete Materialien (z.B. verschiedene Baumwollgewebe, Denim, Stretch, Filz, Wolle, Nylon, Lycra) ultrafeine Aerosolpartikel filtern. Mithilfe einer eigens konstruierten Apparatur beschleunigten sie dazu Kochsalzaerosole auf die beim Husten eines Erwachsenen auftretenden Geschwindigkeiten. Zusätzlich testeten Probanden den Atemwiderstand der Materialien.

Die mit rund 11 % schlechteste Filtrationseffektivität zeigte leichtes T-Shirt-Gewebe. Die beste (61 %) Wirkung erzielten Einmal-Staubsaugerbeutel mit HEPA (High-Efficiency Particulate Arrestance)-Eigenschaften. Dieses Material birgt jedoch möglicherweise Gesundheitsrisiken bei Inhalation bzw. bei Hautkontakt, warnen die Wissenschaftler und raten daher von seinem Einsatz als Alltagsmaske ab.

Einschichtig verarbeitete Gewebe zeigten eine durchschnittliche Filtrationseffektivität von 35 %, mehrschichtige dagegen von 45 %. Einige Materialkombinationen schnitten dabei sogar besser ab als die ebenfalls getesteten N95- sowie chirurgischen Masken. Dass dies gleichbedeutend mit einer höheren Schutzwirkung gegenüber Viren sei, könne daraus jedoch nicht abgeleitet werden, meinen die Kollegen.

Eine hohe Filtrationswirkung bei geringem Atemwiderstand bescheinigen die Forscher unter anderem gesteppte Baumwolle sowie Baumwollflanell. Diese Materialien büßten zudem auch in feuchtem Zustand kaum etwas von ihrer Effektivität ein. Nicht gewebtes Bügelvlies erhöhte der Untersuchung zu Folge die Filtrationswirkung anderer Gewebe zusätzlich (11 %), ohne den Atemwiderstand wesentlich zu verschlechtern.

In Zeiten knapper Schutzausrüstung bieten handgemachte – insbesondere mehrlagige – Masken einen gewissen Schutz gegen ultrafeine Aerosole, so das Fazit der Wissenschaftler. Bei schlechtem Sitz ist allerdings auch der effektivste Partikelfilter unwirksam, mahnen sie.

Abschließend verweisen sie erneut auf die Gefahren selbst hergestellter Alltagsmasken: Beispielsweise seien die gesundheitlichen Folgen bei längerfristiger Inhalation von Gewebefasern gegenwärtig kaum abzusehen. Sie empfehlen daher, ausschließlich Masken aus ungiftigen und faserfreien Materialien zu nutzen.

Quelle: O‘Kelly E et al. BMJ Open 2020; 10: e039424; DOI: 10.1136/bmjopen-2020-039424

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