Dem Prostatakrebs auf der Spur: Gezieltere Biopsien durch moderne Verfahren

Symposium Vision-Zero Autor: Günter Löffelmann

Fortschritte hat die Bildgebung auch in der Ausbreitungsdiagnostik gemacht. © iStock.com/skynesher

Neuentwicklungen in den bildgebenden Verfahren machen es verändertem Prostatagewebe schwer, sich zu verstecken. Auch für die Rezidivdiagnostik bringt das Vorteile mit sich.

Die diagnostische Aufarbeitung beim Prostatakarzinom beginnt meist mit dem prostataspezifischen Antigen PSA – ein Marker, dessen prädiktiver Wert jedoch eingeschränkt ist. „Auffällige PSA-Werte ziehen daher Biopsien nach sich, die nicht immer notwendig sind und die zwar systematisch, aber trotzdem ungezielt erfolgen“, sagt Professor Dr. Heinz-Peter Schlemmer, DKFZ Heidelberg. Kein Wunder also, dass die Sensitivität dieser herkömmlichen Biopsie eingeschränkt ist. Nun hat die multiparametrische Magnetresonanz-Tomographie (mpMRT) dieses Dilemma entschärft.

Cancer Hallmarks per MRT bestimmen

„Die mpMRT liefert Informationen zur Zelldichte und Durchblutung, beides sogenannte Cancer Hallmarks“, erläutert Prof. Schlemmer. „Zusammen mit den Informationen zur Anatomie lassen sich dadurch suspekte Herde in der Prostata lokalisieren.“ Zur Prostatadiagnostik können die mpMRT-Bilddaten dann in Echtzeit mit der Sonographie fusioniert werden. „Dies ermöglicht eine gezielte Biopsie verdächtiger Areale, die im transrektalen Ultraschall allein nicht sichtbar wären“, kommentiert der Experte. „Ein Riesenfortschritt.“

Erfreulich für Prof. Schlemmer: Das Verfahren wurde in der 2018 aktualisierten S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom bereits berücksichtigt. Demnach „kann“ die mpMRT in der Primärdiagnostik vor der Erstbiopsie eingesetzt werden. Und sie „sollte“ eingesetzt werden, wenn nach negativer systematischer Biopsie ein Karzinomverdacht fortbesteht oder Patienten eine aktive Überwachung als Therapieoption erwägen.

Fortschritte hat die Bildgebung auch in der Ausbreitungsdiagnostik gemacht. In einem innovativen Ansatz kombinieren Mediziner eine CT oder MRT mit der Positronenemissions-Tomographie (PET) und verwenden als Tracer einen radioaktiven Liganden des prostataspezifischen Membranantigens PSMA. Das PSMA wird in fast allen Prostatatumorzellen massiv überexprimiert. Bei fortschreitender Erkrankung steigt die Expression zusätzlich an. „Diese Eigenschaften machen die PSMA-PET/CT oder PSMA-PET/MRT zum derzeit empfindlichsten Verfahren, um eine Metastasierung, z.B. einen Lymphknotenbefall, nachzuweisen“, sagt Prof. Schlemmer.

„Kann“-Empfehlung für die Rezidivdiagnostik

Bei Patienten mit einem PSA-Rezidiv nach radikaler Prostatektomie betrug die Detektionsrate je nach PSA-Wert 55 bzw. 74 %. Und bei Patienten mit biochemischem Rezidiv führte die PSMA-PET/CT bei 62 % der Patienten zu einer Änderung der Therapieplanung. In der aktuellen S3-Leitlinie erhielt das Verfahren eine „Kann“-Empfehlung für die Rezidivdiagnostik, wenn sich daraus therapeutische Konsequenzen ergeben.

Quelle: Vorbericht.