Demenz: Kognitiver Abbau lässt sich mit dem MRT vorhersagen

Autor: Maria Weiß

Erst den MMST durchführen, dann zum MRT schicken! © iStock.com/sudok1

Bei älteren Menschen mit Gedächtnisstörungen lässt sich heute durch eine MRT mit relativ hoher Genauigkeit voraussagen, ob sie in den nächsten Jahren eine Demenz entwickeln werden.

Bereits bei der Diagnose einer manifesten Demenz gibt es in Deutschland Defizite, wie eine Untersuchung in 136 Hausarztpraxen in Mecklenburg-Vorpommern verdeutlichte. 70 000 über 50-Jährige wurden hierfür gescreent, 1400 wiesen eindeutig eine manifeste Demenz auf, die aber nur bei 40 % festgestellt worden war.

Bei etwa jedem Dritten bleibt die Diagnose aus

Durch das Nichterkennen der Erkrankung bei den übrigen 60 % wurden Chancen verpasst, betonte Professor Dr. Stefan Teipel vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen der Universitätsmedizin Rostock. Mit dieser Aussage bezog sich der Kollege nicht nur auf die Gabe von Antidementiva. Auch bei den Pflegegraden, dem Zugang zu Versorgungsstrukturen, beim Vermeiden schädlicher Medikamente und der möglichen Teilnahme an Studien seien nicht diagnostizierte Demenzpatienten benachteiligt. Außerdem würden viele noch Auto fahren und damit für sich und andere eine Gefahr darstellen.

Ein Grund für die Unterdiagnostik sei die fehlende neurophysiologische Untersuchungskompetenz vieler Hausärzte, kritisierte Prof. Teipel. Abhilfe könnte die breit verfügbare Magnetresonanztomographie bieten. Bei Patienten mit Gedächtnisstörungen, aber ohne eingeschränkte Alltagskompetenz zeigt eine Abnahme des Hippocampusvolumens an, dass die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz droht. Die Vorhersagegenauigkeit der Manifestation in den nächsten drei Jahren beträgt 70 %. Allerdings wurden diese Ergebnisse bei hochselektionierten Patientenkohorten aus Gedächtnissprechstunden erzielt, betonte Prof. Teipel.

Das MRT ist kein Screeninginstrument

Für ältere Menschen aus Hausarztpraxen, die über Gedächtnisstörungen klagen, könnte die diagnostische Aussagekraft deutlich geringer ausfallen. Der Experte empfiehlt daher, immer zuerst einen Mini-Mental-Status-Test durchzuführen, bevor man jemanden zum MRT schickt. Keinesfalls sollte die Bildgebung als Screeninginstrument bei Menschen ohne kognitive Einschränkungen zum Einsatz kommen, wie es zum Teil als IGeL-Leistung angeboten wird, betonte der Referent. Die individuelle Aussagekraft hinsichtlich einer Manifestation sei viel zu gering und außerhalb von Studien fehlten die Behandlungskonsequenzen. 

Quelle: Kongressbericht, 62. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung