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Hautkrebsscreening Experten sehen schwarz

Autor: Friederike Klein

Die Melanommortalität hat sich einer Beobachtungsstudie zufolge hier fast halbiert. Die Melanommortalität hat sich einer Beobachtungsstudie zufolge hier fast halbiert. © Andreas Haertle – stock.adobe.com; iStock/lavizzara
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Aus Früherkennungsuntersuchungen resultiert naturgemäß eine starke Diagnosezunahme niedriggradiger Neoplasien. Nicht notwendigerweise werden so aggressive Tumoren verhindert und wird die tumorbedingte Mortalität verringert. Ein Disput über das Nutzen-Risiko-Verhältnis ist in diesem Jahr über das Melanomscreening entbrannt.

Kontra

Die Inzidenz des Melanoms ist heute in den USA sechs Mal höher als noch vor 40 Jahren.1 Die dadurch bedingte Mortalität blieb dagegen gleich, berichtete Professor Dr. Adewole Adamson, Melanoma and Pigmented Lesion Clinic, University of Texas Southwestern Medical Center at Austin. Zuletzt ist sie leicht zurückgegangen – durch den Einfluss der zielgerichteten und Immuntherapien.

Die in vier Dekaden so deutlich angestiegene Inzidenz sei nicht alleine durch die zunehmende UV-Belastung zu erklären, meinte Prof. Adamson. Sie verantworte höchstens eine Verdopplung.

Der Verdacht liegt seiner Meinung nach nahe, dass es zu Überdiagnosen nicht aggressiver Melanome komme, die im Hintergrund immer existieren. Die Diagnose solcher nicht zum Tode führender Melanome habe keinen Nutzen, könne aber schaden – beispielsweise durch Narbenbildung, Wundinfektionen, psychologische Belastung durch eine Krebsdiagose und regelmäßig anberaumte Kontrollen.

Die noch beste Untersuchung zum Nutzen des Hautkrebsscreenings kommt Prof. Adamson zufolge aus Deutschland.2 Die in Schleswig-Holstein durchgeführte Beobachtungsstudie ergab einen Rückgang der Melanommortalität bei Männern um 47 % auf 1,0/100.000 Personen und bei Frauen um 49 % auf 0,7/100.000. Allerdings fehlen Prof. Adamson Studien mit randomisierten Kontrollgruppen und die Nachbeobachtung der einzelnen gescreenten Patienten.

Zudem wies der Referent darauf hin, dass 620 gesunde Menschen gescreent werden müssen, um ein Melanom zu identifizieren. In den USA wird das Melanomscreening durch den Hausarzt in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung derzeit nicht empfohlen. Schließlich sei dort in den letzten Jahrzehnten vor allem die Inzidenz des Melanoma in situ so dramatisch angestiegen, erkärte Prof. Adamson.

Pro

Professor Dr. Alexander Katalinic vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck betonte, dass die Evidenz für den Nutzen des Melanomscreenings laut einer Metaanalyse seiner Arbeitsgruppe doch recht gut sei. Die Vorsorge zeige zumindest das Potenzial, Morbidität und Mortalität zu reduzieren.3 Der Referent sieht in der immer weiter gestiegenen UV-Exposition im Gegensatz zu Prof. Adamson durchaus eine sehr relevante Ursache für den Anstieg der Hautkrebsinzidenz.

Zudem werde die Lebensqualität durch die Früherkennung und das einfache Exzidieren von Melanomen verbessert, weil eine schwerere Krankheitslast vermindert wird, argumentierte Prof. Katalinic. Weiterhin spiele auch der weiße Hautkrebs eine wichtige Rolle, der im hiesigen Screening ebenfalls erfasst wird.

Der Experte forderte, die Hautkrebsfrüherkennung dringend weiterzuentwickeln. Er sprach sich für folgende Maßnahmen aus:

  • populationsbasiertes Screeningangebot mit Einladungsschreiben
  • bessere Qualitätskontrolle mit einer sinnvollen Dokumentation
  • regelmäßiges Evaluieren
  • mehr Trainingsangebote für die screenenden Ärzte

Dann gebe es Prof. Katalinic zufolge keinerlei Argumente, die Hautkrebsfrüherkennung abzuschaffen.

Quellen:
1. Welch HG et al. N Engl J Med 2021; 384: 72–79; DOI: 10.1056/NEJMsb2019760
2. Katalinic A et al. Cancer 2012; 118: 5395– 5402; DOI: 10.1002/cncr.27566
3. Brunssen A et a. J Am Acad Dermatol 2019; 80: 938–946; DOI: 10.1016/j.jaad.2018.09.018

Adamson A, Katalinic A. 31. Deutscher Hautkrebskongress; Sitzung 13

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