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Masern und Mumps Jeder vierte Krebskranke und Stammzelltransplantierte ohne Virenschutz

Autor: Ulrike Viegener

25 % bzw. 38 % der untersuchten Krebspatienten waren nicht ausreichend gegen die Masern- bzw. Mumpserreger immunisiert. (Agenturfoto) 25 % bzw. 38 % der untersuchten Krebspatienten waren nicht ausreichend gegen die Masern- bzw. Mumpserreger immunisiert. (Agenturfoto) © iStock/RomoloTavani
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Viele Krebspatienten sind einer Masern- oder Mumpsvirusinfektion schutzlos ausgeliefert. Da gilt es, den Impfstatus enger Kontaktpersonen zu überprüfen und zumindest bei ihnen die ausstehenden Impfungen nachzuholen.

Im Fall einer Infektion mit Masern- oder Mumpsviren tragen Krebspatienten ein hohes Risiko für schwere, lebensbedrohliche Krankheitsverläufe. Sie erleiden vermehrt Komplikationen wie Pneumonie und Enzephalitis.

Masernausbrüche selten, aber mit hoher Sterblichkeit

Auch in Regionen, in denen die beiden Infektionskrankheiten als weitgehend besiegt gelten, führen die hochansteckenden Erreger immer wieder zu Epidemien. Zwar sind Masernausbrüche auf onkologischen Stationen eher selten, berichtet ein Team um Dr. Sara Marquis vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle. Kommt es aber dazu, ist die Sterblichkeit unter den Patienten mit bis zu 70 % enorm hoch.

Um zu klären, wie es um den Immunstatus von Krebskranken bestellt ist, haben die Wissenschaftler die Seroprävalenz von Antikörpern gegen Masern- und Mumpsviren in einer Kohorte onkologischer Patienten ermittelt. Mittels ELISA untersuchten sie Blutproben von 959 ambulant betreuten Patienten. 60 % wiesen einen soliden Tumor auf, 40 % litten an einer malignen hämatologischen Erkrankung. 15 % der Patienten hatten eine hämatopoetische Stammzelltransplantation hinter sich.

In der gesamten Kohorte betrug die Seroprävalenz von Masernvirus-Antikörpern 0,75, die der Antikörper gegen Mumpsviren 0,62. Anders ausgedrückt bedeutet das, dass 25 % bzw. 38 % der untersuchten Krebspatienten nicht ausreichend gegen die Masern- bzw. Mumpserreger immunisiert waren.

Am schlechtesten war es demnach bei denjenigen mit hämatologischen Erkrankungen (0,63 bzw. 0,48) um den Immunschutz bestellt. Kaum besser sah es bei Patienten nach Stammzelltransplantation (0,46 bzw. 0,29) und generell in der Altersgruppe der 30- bis 59-Jährigen (0,49–0,63 bzw. 0,41–0,58) aus.

Auf Ärzte, Pflegende und Angehörige kommt es an

Angesichts dieser Ergebnisse appellieren die Studienautoren an Ärzte, Angehörige, Pflegende und die Mitarbeiter in den Gesundheitsberufen, bei sich selbst für einen ausreichenden Impfschutz und so für ausreichende Herdenimmunität gegenüber den hochinfektiösen Viren zu sorgen.

Quelle: Marquis SR et al. JAMA Netw Open 2021; 4: e2118508; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.18508

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