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Lebermetastasen: Hohe Tumorlast spricht gegen Resektion

Autor: Josef Gulden

Die Transplantation der Leber sollte als experimentelles Verfahren in klinischen Studien getestet werden. Die Transplantation der Leber sollte als experimentelles Verfahren in klinischen Studien getestet werden. © BillionPhotos.com – stock.adobe.com
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Für nicht resektable Lebermetastasen kolorektaler Karzinome wurde in Studien die Lebertransplantation getestet – mit besseren OS-Daten als für gerade noch operable Tumoren. Eine Forschergruppe stellte einen retrospektiven Vergleich zur Resektion an.

Mittels Resektion der Lebermetastasen von kolorektalen Karzinomen können Fünf-Jahres-Überlebensraten zwischen 30 % und 50 % erreicht werden. Als Voraussetzung gilt, dass danach ein adäquates funktionelles Restvolumen des Organs zu erwarten ist.

Bei höherer Tumorlast kann dieses durch eine Embolisierung der Pfortader (PVE) erreicht werden, die das funktionelle Volumen vor der Operation erhöht. Andererseits wurde bei nicht-resektablen Patienten, die eine Lebertransplantation erhielten, eine Fünf-Jahres-Überlebensrate von etwa 60 % berichtet, die sich durch sorgfältige Indikationsstellung auf 70 % oder mehr steigern lassen könnte. Einen indirekten, retrospektiven Vergleich beider Verfahren haben norwegische Wissenschaftler um Dr. Dr. ­Svein Dueland­ von der Universitätsklinik in Oslo unternommen.

Abhängig von Zahl und Größe der Metastasen

Die Forscher verglichen zwei Kohorten, die in dem norwegischen Krankenhaus behandelt wurden: 50 Personen mit Darmkrebs waren zwischen 2006 und 2019 im Rahmen von Studien transplantiert worden. Zum Vergleich wählten die Autoren 53 Patienten, bei denen zwischen 2006 und 2015 eine Leberresektion geplant war und bei denen man das funktionelle Restvolumen von ursprünglich weniger als 30 % durch eine PVE erhöht hatte. Tatsächlich erfolgte die Resektion allerdings nur bei 38 von ihnen.

Die Selektionskriterien waren ähnlich wie bei den transplantierten Patienten. Als wichtiger Parameter wurde die Tumorlast erhoben: Sie galt als hoch beim Vorliegen von mindestens neun Metastasen oder dem größten Durchmesser einer Metastase von wenigstens 5,5 cm.

Die Fünf-Jahres-Überlebensrate betrug bei den 38 Erkrankten mit Resektion nach PVE 44,6 % und das mediane Gesamtüberleben 43,9 Monate. Für die weitere Auswertung unterteilten die Autoren beide Kohorten in Menschen mit hoher bzw. niedriger Tumorlast. Bei Betroffenen mit hoher Tumorlast ergab sich ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Vorgehensweisen: In der PVE-Gruppe mit geplanter Resektion und hoher Tumorlast lag die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei 6,7 %, während sie nach Transplantation und hoher Tumorlast 33,4 % betrug. Hatte bei Transplantierten der Primärtumor zudem eine prognostisch günstigere linksseitige Lokalisation aufgewiesen, war das Ergebnis mit 45,3 % noch etwas besser.

Patienten mit nicht-resektablen Lebermetastasen, hoher Tumorlast und mit linksseitigen Primärtumoren scheinen also von der Lebertransplantation zu profitieren, schlussfolgern Dr. Dueland und Kollegen. Sie können zudem Überlebenszeiten erreichen, bei denen der Einsatz von Spenderorganen sinnvoll erscheint, betonen sie. Ähnliches gelte für Menschen mit hoher Tumorlast, auch wenn das Karzinom nicht resektabel wäre.

Personen mit geringerer Tumorlast hingegen können auch nach PVE und Resektion lange überleben (Fünf-Jahres-OS: 69,3 %). Insgesamt verstehen die Autoren die Transplantation bei Lebermetastasen noch als experimentelles Verfahren, das möglichst im Rahmen klinischer Studien erfolgen sollte.

Quelle: Dueland S et al. JAMA Surg 2021; DOI: 10.1001/jamasurg.2021.0267

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