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Lungenkrebsscreening NSCLC wird offenbar immer früher entdeckt

ASCO 2022 Autor: Friederike Klein

Das Lungenkrebsscreening hat in den USA dazu geführt, dass mehr NSCLC im Stadium I diagnostiziert werden. Dies ist aber nicht der einzige Grund. Das Lungenkrebsscreening hat in den USA dazu geführt, dass mehr NSCLC im Stadium I diagnostiziert werden. Dies ist aber nicht der einzige Grund. © iStock / mi-viri
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Epidemiologische Daten zeigen in den USA einen Trend hin zu mehr Stadium-I- und weniger Stadium-IV-NSCLC. Das ist wahrscheinlich nicht nur ein Effekt des Lungenkrebsscreenings, das für bestimmte Risikogruppen schon länger empfohlen wird.

Eine Auswertung auf Basis der US-amerikanischen Datenbank SEER* zeigt, dass die Inzidenz der fortgeschrittenen oder meta­stasierten Lungenkrebserkrankung schon seit Jahren abnimmt. Wie Dr. Dr. Maxwell Akanbi von der Michigan State University berichtete, erkrankten seit 2004 jedes Jahr 4,5/100.000 Einwohner weniger.1

Seit 2015 – nachdem das Lungenkrebsscreening breiter etabliert wurde – sank die Inzidenz noch einmal deutlich stärker um etwa 7,6/100.000 pro Jahr. Das lässt auf einen wichtigen Einfluss des Screenings schließen. Die Abnahme davor zeigt aber auch, dass es eine Reihe von anderen Faktoren geben muss, die zu einem Rückgang führten. 

Dr. Aashray Singareddy,  Washington Universität in St. Louis, schaute vom anderen Ende der Stadien auf die epidemiologische Entwicklung von Lungenkrebserkrankungen:2 Er interessierte sich insbesondere für Stadium-I-Dia­g­nosen im Zeitraum von 2010 bis 2017. Basis war hier die National Cancer Database in den USA, in der 1.391.088 Patient:innen mit Lungentumoren inklusive Stadien dokumentiert waren. 1.172.921 litten an einem NSCLC, 25.434 an einem Karzinoid und 192.733 an einem SCLC. 

Mehr Frauen mit Karzinoiden

Karzinoide nahmen eine Sonderstellung ein: Es gab eine Prädominanz des weiblichen Geschlechts und das Stadium I machte bereits 2010 die größte Gruppe aus. Bei NSCLC und SCLC waren die Geschlechter ähnlich häufig betroffen und die Stadien III und IV bildeten den größten Anteil. 

Die absoluten Zahlen der dokumentierten Lungenkrebsdiagnosen nahmen von 160.374 in 2010 auf 188.488 in 2017 zu. Dabei war der Anstieg besonders deutlich für das Stadium I mit 37.757 im Jahr 2010 und 54.793 in 2017. Dadurch erhöhten sich Stadium-I-Tumoren von 23,5 % auf 29,1 %. Der Anteil der Stadium-IV-Karzinome an allen Lungenkrebserkrankungen nahm von 45,5 % auf 43,1 % ab, das Stadium III machte 21,5 % in 2010 und sieben Jahre später 19,2 % aus. 

Keine Verbesserung bei SCLC und Karzinoiden

Die positive Entwicklung hin zu mehr Stadium-I-Lungenkarzinomen zeigte sich mit einem Anstieg von 25,8 % auf 31,7 % nur für Patient:innen mit NSCLC. Bei Karzinoiden blieb der Anteil der Stadium-I-Tumoren von 2010 bis 2017 mit rund 70 % praktisch konstant und auch bezüglich des SCLC gab es über den betrachteten Zeitraum hinweg keine Veränderung.

Dr. Singareddy stellt eine Analyse der Entwicklung je nach Alter vor. Die Stadium-I-Diagnosen nahmen auch in Gruppen, die nicht zur Screeningpopulation gehören, zu, beispielsweise bei unter 60- und unter 50-Jährigen sowie den über 80-Jährigen. Das belegt ebenso wie die Abnahme der Inzidenz fortgeschrittener Erkrankungen schon vor Empfehlung des Screenings, dass neben der Früherkennung andere Faktoren für die Frühdiagnose von Lungenkrebserkrankungen eine Rolle spielen müssen.

Bessere Erkennung durch Computertomographie?

Die Teilnahme in der Screeningpopulation beträgt zudem höchstens 20 %, schätzte Prof. Dr. Douglas A. Arenberg von der Universität in Michigan – da ist der Effekt bislang sicher begrenzt. Seiner Ansicht nach ist ein wichtiger Faktor, dass die mit den Jahren immer häufiger und für diverse Indikationen eingesetzte Computertomographie die Zahl der inzidentellen Karzinomdiagnosen in frühen Stadien erhöht hat. 

*    Surveillance, Epidemiology, and End Results

Quellen:
1.    Akanbi MO. 2022 ASCO Annual Meeting; Abstract 10506
2.    Singareddy A. 2022 ASCO Annual Meeting; Abstract 10508

Kongressbericht: 2022 ASCO Annual Meeting

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