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Typ-2-Diabetes: Sport statt Antidiabetika?

Autor: Dr. Anne Benckendorff

Je mehr Sport, desto besser, aber es bleibt fraglich, ob das so im Alltag umsetzbar ist. Je mehr Sport, desto besser, aber es bleibt fraglich, ob das so im Alltag umsetzbar ist. © Montri – stock.adobe.com
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Patienten mit nicht-insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes, die regelmäßig Sport treiben, können häufiger Antidiabetika absetzen. Dabei gilt: Je mehr Beweung, desto höher die Chance. Auch kardiovaskuläre Risikofaktoren reduzieren sich.

Zu den probaten Therapiemaßnahmen beim Typ-2-Diabetes gehört zwar sportliche Aktivität, doch welchen Umfang sie annehmen sollte, ist nicht ganz klar. Deshalb haben dänische Forscher Daten der U-TURN-Studie aus dem Jahr 2015/16 erneut analysiert.

Die 92 Teilnehmer hatten einen nicht-insulinpflichtigen Typ-2-Diabetes und waren im Schnitt 54,4 Jahre alt. 31 von ihnen wurden der Kontroll- und 61 der Interventionsgruppe zugeteilt. Letztere umfasste zusätzlich zur Standardbehandlung mindestens 240 Minuten aerobes und Widerstandstraining pro Woche während der ersten vier Studienmonate und mindestens 300 Minuten pro Woche während der folgenden acht Monate.

6,3 Stunden pro Woche senkten das HbA1c um 1,2 %-Punkte

Mittels einer Fitnessuhr wurde das Pensum überprüft. Das Programm lag deutlich oberhalb der routinemäßig empfohlenen Bewegungsmenge für Typ-2-Diabetiker. Zusätzlich erhielten die Patienten eine Ernährungsberatung. Reduzierte sich der HbA1c-Wert, wurde die Dosierung der Antidiabetika entsprechend eines vorgegebenen Schemas schrittweise gesenkt.

Die Patienten im oberen Terzil des aufgezeichneten Bewegungsumfangs hatten im Schnitt wöchentlich 380 Minuten Sport getrieben, diejenigen im mittleren und unteren 296 bzw. 178 Minuten. Wie vermutet, zeigte sich ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Sportumfang und der Chance für ein Absetzen der Antidiabetika. Die Odds Ratio betrug im Vergleich zur Kontrollgruppe für das obere und mittlere Terzil 34,4 bzw. 30,2, für das untere 12,1. Das HbA1c war im oberen und mittleren Terzil signifikant um bzw. 1,2  bzw. 0,7 Prozentpunkte gesunken.

Alle Interventionen wirkten sich positiv auf den Nüchterninsulinspiegel aus. Kardiovaskuläre Risikofaktoren besserten sich in den oberen beiden Terzilen im Vergleich zum Standard signifikant. Gleiches galt für Gewicht, BMI und Fettmasse. Nur in der Gruppe mit maximaler Bewegung zeigten sich positive Effekte auf den 2-h-Glukose-Wert und den Triglyzeridspiegel. Die Autoren vermuten, dass intensivere Sportprogramme als die derzeit empfohlenen 150 min/Woche sinnvoll wären. Sie zweifeln jedoch, ob sie im Alltag umsetzbar sind.

Quelle: McDonald CS et al. Mayo Clin Proc 2020; 95: 488-503; DOI: 10.1016/j.mayocp.2019.09.005


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