Colitis Ulcerosa: Diagnostik basiert auf perianaler Inspektion, Koloskopie und hochauflösendem Ultraschall

Anzeichen der Colitis Ulcerosa finden sich nicht nur im Darm (links). Die Patienten können gelegentlich Geschwüre an Zunge, Lippen, Gaumen oder Rachen aufweisen (rechts). © fotolia/crevis; wikimedia/TheBlunderbuss

Die Koloskopie nimmt eine Schlüsselstellung beim Aufspüren der Colitis ulcerosa ein. Doch bereits vor dem Einsatz apparativer Verfahren geben gezielte Anamnese und Labordiagnostik die differenzialdiagnostische Richtung vor.

Colitis ulcerosa (CU) – ja oder nein? Schon während der Anamnese lässt sich der Verdacht ein gutes Stück erhärten. Neben Art und Beginn der Symptome sollten Kollegen kurz zurückliegende Reisen inklusive Diarrhö, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Medikamenteneinnahme – v.a. Antibiotika, NSAR – erfragen. Außerdem interessieren extraintestinale Manifestationen von Mund, Haut, Augen, Gelenken sowie perianale Abszesse, Fisteln und Analfissuren. Patienten mit einem erstgradigen Verwandten mit CU haben ein 10- bis 15-faches Risiko, selbst zu erkranken. Ex-Raucher tragen eine um 70 % höhere Wahrscheinlichkeit als aktive Nikotinkonsumenten bzw. Nie-Raucher.

Während der Erstdiagnose und falls spezifische Symptome auftreten, soll eine komplette körperliche Untersuchung erfolgen – einschließlich oraler und perianaler Inspektion. Die rektale Untersuchung (Karzinom?) folgt spätestens im Rahmen der Koloskopie, schreiben die Experten der aktuellen DGVS*-Leitlinie.

Bei interkurrenten Schüben Darminfektion ausschließen

Zur initialen Labordiagnostik gehören Blutbild, Entzündungsmarker (CRP), Eisenhaushalt, Nierenwerte, Transaminasen und Cholestaseparameter. Außerdem gilt es bei Erstdiagnostik und interkurrenten Schüben eine Darminfektion auszuschließen (C. difficile, reisetypische Erreger). Fäkale Neutrophilenmarker wie Calprotectin dienen der Abgrenzung zum funktionellen Reizdarm.

Zur endoskopischen Abklärung eignet sich eine Ileoskopie mit Biopsien aus dem terminalen Ileum, sämtlichen Kolonsegmenten sowie dem Rektum mit mindestens zwei Proben pro Segment. Sie erlaubt eine Einschätzung von Aktivität und Ausdehnung (s. Kasten). Routinemäßige Koloskopien braucht man bei Remission bis zum Beginn der Karzinomüberwachung nicht. Zur Einschätzung des Therapieansprechens kann eine erneute Endoskopie allerdings während der klinischen Remission sinnvoll sein.

Crohn oder Colitis?

Lässt sich die Colitis nicht eindeutig klassifizieren z.B. aufgrund eines ausgesparten Rektums, ungewöhnlicher Symptome oder endoskopischer Hinweise auf Backwash-Ileitis hilft eine Ösophagogastroduodenoskopie mit Biopsien weiter. Außerdem soll der mittlere Trakt mittels MRT des Dünndarms und/oder abdomineller Sonographie untersucht werden.

Die hochauflösende abdominelle Sonographie hat inzwischen einen festen Platz bei Erstdia­gnose, Verlaufsbeobachtung und schwerem Schub. Sie detektiert Entzündungen im Dickdarm mit einer Sensitivität von bis zu 90 %. Auch Aktivität und Ausdehnung lassen sich mit dem Ultraschall zuverlässig erfassen.

Kolonstenosen erwecken stets Malignitätsverdacht und sollten endoskopisch abgeklärt werden. Falls der Engpass nicht zu passieren ist, raten die Autoren zur bildgebenden Diagnostik beispielsweise mit CT oder MRT. Im Falle einer unklaren Dignität gilt es, die OP-Indikation großzügig zu stellen. Bei intraepidermalen Neoplasien (IEN) bzw. Dysplasien sollten Kollegen immer eine Zweitmeinung einholen.

Überwachungskolo­skopien senken potenziell die kolitisassoziierte Darmkrebsmortalität. Deshalb sollten sich alle CU-Patienten unabhängig von der Krankheitsaktivität sechs bis acht Jahre nach Diagnose bzw. Symptombeginn einer Kontrollkoloskopie unterziehen.

Jährliche Kontrollen für Risikopatienten

Reicht die CU über das Rektum hinaus, empfehlen die Experten regelmäßige Koloskopien ab dem achten Krankheitsjahr. Als besonders gefährdet gelten Patienten mit Stenose, IEN innerhalb der vergangenen fünf Jahre, ausgedehnter Colitis mit starker Entzündung oder einem erstgradigen Verwandten < 50 Jahre mit kolorektalem Karzinom – sie sollten jährlich zur Untersuchung erscheinen. Wer an einer primär sklerosierenden Cholangitis leidet, braucht ebenfalls ab Diagnosestellung eine jährliche Überwachung.

Bei intermediärem Karzinomrisiko (leichte bis mittelschwere Entzündung, viele Pseudopolypen oder erstgradiger Verwandter mit Kolorektalkarzinom im Alter von mindestens 50 Jahren) genügen Kontrollen alle zwei bis drei Jahre. Bei niedrigem Risiko – alle genannten Faktoren sind negativ – reichen alle vier Jahre.

*Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V.

Quelle: S3-Leitlinie Colitis ulcerosa, AWMF-Registernr. 021-009, www.awmf.org