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Leberkrebsvorsorge Forschende monieren mangelnde Überwachung von NAFLD-Erkrankten

Autor: Dr. Moyo Grebbin

Etwa ein Drittel der Erwachsenen weist eine Fettleber auf, aus der sich u.a. eine Zirrhose entwickeln kann. Etwa ein Drittel der Erwachsenen weist eine Fettleber auf, aus der sich u.a. eine Zirrhose entwickeln kann. © crevis – stock.adobe.com
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Aus einer globalen, vergleichenden Meta­analyse ziehen Wissenschaftler:innen den Schluss: Unter Leberkrebserkrankten mit NAFLD sind fast 40 % nicht-zirrhotisch – und erhalten deshalb zu selten ein Screening.

Inwiefern sich durch eine nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) verursachte hepatozelluläre Tumoren von denen anderen Ursprungs unterscheiden, ist aktuell in vielen Punkten unklar, betont das Autor:innenteam um Darren Jun Hao Tan, nationale Universität von Singapur, in einer aktuellen Publikation. Bisherige Studien lieferten dazu widersprüchliche Resultate. Während aus einigen Arbeiten hervorging, NAFLD-bedingte Erkrankungen würden in fortgeschritteneren Stadien diagnostiziert und gingen mit einem Überlebensnachteil einher, berichteten andere von ähnlichen Präsentationen bei Manifestation und einem Überlebensvorteil. Als Grund hinter den Diskrepanzen vermuten die Kolleg:innen, dass sich alle bisherigen Arbeiten auf ein bestimmtes Land oder eine Region bzw. auf eine Behandlungsart beschränkten.

Die Forschenden fassten daher in einer Metaanalyse weltweit verfügbare Studiendaten zusammen, bei denen NAFLD-bedingte hepatozelluläre Tumoren mit solchen anderen Ursprungs verglichen wurden. Primär wollten sie dabei folgende Größen bestimmen:

  • den Anteil der durch ­NAFLD verursachten Leberkarzinome
  • einen Vergleich der Patient:innen- und Tumorcharakteristika zwischen den Gruppen
  • einen Vergleich der Vorsorgehäufigkeit, Behandlungsziele und Überlebensdaten

In die Metaanalyse schlossen die Kolleg:innen 61 Studien aus den Jahren 1980–2021 ein, die insgesamt beinahe 95.000 Teilnehmende umfassten. Der Anteil der Leberkrebsfälle aufgrund einer NAFLD belief sich auf 15,1 %. 

Personen mit NAFLD-bedingten hepatozellulären Karzinomen waren älter, hatten einen höheren BMI und mit größerer Wahrscheinlichkeit metabolische Komorbiditäten wie Diabetes, Bluthochdruck, Hyperlipidämie oder Herzkreislaufkrankheiten. Die Lebern der NAFLD-Krebspatient:innen waren zudem mit 38,5 % deutlich häufiger nicht-zirrhotisch als in der Vergleichsgruppe (14,6 %). Ihre Tumoren waren bei der Diagnose größer (mittlere Differenz: 0,67 cm; p = 0,0087), die Läsionen aber häufiger uninodular (p = 0,0003). Beim Staging, den Alpha-Fetoproteinspiegeln oder dem ECOG-Status ergab sich jedoch kein signifikanter Unterschied.

Überleben und Therapieziele unterscheiden sich nicht

Eine regelmäßige Vorsorgebildgebung vor der Diagnosestellung bekam ein signifikant kleinerer Teil der NAFLD-Gruppe (32,8 % vs. 55,7 %). Kurative und palliative Therapieziele hielten sich zwischen den Kollektiven die Waage, allerdings unterzogen sich NAFLD-Krebspatient:innen seltener eine Lebertransplantation und dafür häufiger einer Leberresektion. Die Länge des Gesamt­überlebens unterschied sich nicht (HR 1,05). Für Personen aus der NAFLD-Kohorte ergab sich aber ein längeres krankheitsfreies Überleben (HR 0,79; p = 0,044).

Exponentieller Anstieg in USA und Europa erwartet

Obwohl es in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der Behandlung von Hepatitis B und C gab: Leberkarzinome zählen weiter zu den Krebsarten, die global die meisten Todesfälle verursachen. Während die Anzahl der viralbedingten Tumoren zurückgeht, steigt die Prävalenz der Krebsfälle aufgrund einer nicht-alkoholischen Fettleber. Beinahe ein Drittel der Weltbevölkerung leidet an NAFLD, betonen die Autor:innen um Darren Tan. Davon weisen etwa 20 % eine Steatohepatitis auf. In den USA und Teilen Europas werde außerdem – parallel zur Zunahme der Adipositas – künftig ein exponentieller Anstieg der NAFLD-bedingten Leberkrebsfälle erwartet, so die Wissenschaftler:innen.

Als Fazit für die klinische Praxis heben die Studienautor:innen besonders hervor, dass ihre Auswertung einen substanziell höheren Anteil von fast 40 % nicht-zirrhotischen Erkrankungen in der NAFLD-­Gruppe ergab (vs. rund 15 %). Aus diesem Grund erhielten Betroffene mit NAFLD-Leberkrebs seltener regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen – denn die Routineindikation dafür fehle. In Anbetracht der rapide steigenden Inzidenz der NAFLD-bedingten hepatozellulären Karzinome sollte man sich dringend genauer mit den metabolischen Risikofaktoren auseinandersetzen, fordern Darren Tan und Kolleg:innen – und die Vorsorgestrategie für nicht-zirrhotische NAFLD-Erkrankte mit hohem Leberkrebsrisiko verbessern.

Quelle: Tan DJH et al. Lancet Oncol 2022; 23: 521-530; DOI: 10.1016/S1470-2045(22)00078-X

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