Kaffee erhöht die Lebenserwartung – selbst entkoffeiniert und in größeren Mengen

Autor: Michael Brendler

Schon in kleinen Dosen und auch entkoffeiniert entfaltet das beliebte Heißgetränk seine Wirkung. © iStock/kyoshino

Angesichts der Studienlage muss Kaffee inzwischen als gesundes Lebensmittel gelten. Trifft das aber auch für Menschen zu, die Koffein schlecht verstoffwechseln?

Ganz gleich ob kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes, Morbus Parkinson oder Tumoren von Leber, Darm und Gebärmutter: Der regelmäßige Konsum des Heißgetränks ist mit einem verringerten Erkrankungsrisiko verbunden.

Ab acht Tassen pro Tag sinkt das Sterberisiko um 14 %

Ähnliches scheint auch für die Gesamtmortalität zu gelten. Die Wahrscheinlichkeit, im Verlauf von zehn Jahren zu sterben, sinkt schon mit einer Tasse Kaffee pro Tag um 8 %, konnten Dr. Erikka Loftfield von der Abteilung für Krebsepidemiologie am National Cancer Institute in Rockville und Kollegen belegen. Werden zwei bis drei Tassen des dunklen Gebräus getrunken, ist die Sterblichkeit im Vergleich zu Kaffeeabstinenzlern um 12 % vermindert. Und Menschen, die täglich mindestens acht Tassen konsumieren, haben eine um 14 % niedrigere Mortalität.

Das Ganze gilt, so fanden die Wissenschaftler bei der Analyse der Daten von mehr als 500 000 Menschen heraus, fast im gleichen Umfang für Bohnen- oder Instantkaffee sowie für die entkoffeinierten Varianten. Zudem ist die lebensverlängernde Wirkung unabhängig von genetischen Polymorphismen, die sich auf den Koffeinstoffwechsel auswirken.

All das haben die Forscher den Daten einer Biobank entnommen, in der sich Angaben zu Genetik, Demografie und Lebensstil von neun Millionen Briten befinden. „Unsere Untersuchung liefert weitere Belege dafür, dass Kaffee als Teil einer gesunden Ernährung betrachtet werden kann“, schreiben sie.

Was die Art und Weise angeht, über die das anregende Getränk seine positive Wirkung auf die Lebenserwartung entfaltet, vermögen aber auch sie nur zu spekulieren. Diskutiert werde beispielsweise eine positive Wirkung auf Entzündungen, Insulinsensibilität und das Endothel.

Koffein schützt womöglich Herzzellen vor dem Tod

Einen möglichen Mechanismus, über den etwa das Koffein einen protektiven Effekt entfalten könnte, stellte vor Kurzem die Gruppe um Dr. Niloofar­ Ale-Agha vom Düsseldorfer Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung vor. Ab der vierten Tasse fördert das Alkaloid ihrer Untersuchung zufolge die Aufnahme des p27-Proteins, eines Inhibitormoleküls des Zellzyklus, in die Mitochondrien. Herzmuskelzellen vermag es dadurch vor dem Zelltod zu schützen, Fibroblasten zur Reparatur von Infarktnekrosen anzuregen. Auch den Endothelzellen scheint das Koffein über diesen Zusammenhang gut zu bekommen.

1. Loftfield E et al. JAMA Intern Med 2018; 17: 1086-1097
2. Ale-Agha N et al. PLoS Biol 2018; 16: e2004408