Lungenkarzinom: Mit Interventionen belastende Symptome lindern

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Wenn Palliation Vorfahrt hat: Stents können zu mehr Luft verhelfen. © Case courtesy of Dr Henry Knipe, Radiopaedia.org, rID: 31410

Beim fortgeschrittenen Lungenkarzinom ist kurativ meist nur noch wenig zu machen. Einschlägige Symptome, die dem Patienten die letzten Monate zur Qual machen können, lassen sich jedoch durch Interventionalisten erfolgreich bekämpfen.

Patienten mit fernmetastasiertem Bronchialkarzinom haben meist eine schlechte Prognose. Beim nicht-kleinzelligen (NSCLC) beträgt die mediane Überlebenszeit 4–18, beim Kleinzeller 8–12 Monate. Nur wenn beim NSCLC eine kurativ behandelbare Oligometastasierung vorliegt oder therapeutisch angehbare molekulare Veränderungen nachgewiesen werden können, sind längere Überlebenszeiten möglich.

Angesichts der limitierten Lebenszeit der betroffenen Patienten ist häufig ein symptomorientiertes, palliatives Handeln erforderlich, schreibt Privatdozentin Dr. Daniela Gompelmann von der Thoraxklinik der Universität Heidelberg. Und das umfasst gegebenenfalls auch die Zusammenarbeit mit einem interventionell tätigen Pneumologen, um etwa zunehmende Atemnot, Husten und/oder Hämoptysen zu lindern, die Ursache von Aspirationspneumonien zu beseitigen oder die Kompression der oberen Hohlvene abzumildern.

Zentrale Atemwegsstenose

Bei einer zentralen Atemwegsstenose können sich neben Dyspnoe, Husten, Hämoptysen und Stridor auch eine lebensbedrohliche respiratorische Insuffizienz und poststenotische Atelektasen mit Pneumonie entwickeln. Um Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden, ist dann eine Rekanalisierung des Luftwegs angesagt. Je nachdem, ob die Stenose auf ein endobronchiales Tumorwachstum zurückgeht oder auf eine Kompression von außen, wählt der Lungenfacharzt das Verfahren.

Bei intraluminalen Befunden bieten sich neben der mechanischen Tumorabtragung u. a. die Elektrokoagulation einschließlich der kontaktlosen Argon-Plasma-Koagulation an. Mit Letzteren lassen sich gleichzeitig lokale Blutungen in den Griff bekommen. Weitere Alternativen sind Laserverfahren und die Kryorekanalisation mit flüssigem Stickstoff. Bei diesem Verfahren wird das bei –90 °C „schockgefrostete“ und an der Sondenspitze festgefrorene Tumorgewebe Stück für Stück extrahiert.

Ein anderer Therapieansatz sind Atemwegsstents. Sie bieten sich nicht nur bei intraluminaler Obstruktion, sondern auch bei von außen komprimierenden Tumoren an.

Alle genannten Techniken wirken sofort – sie empfehlen sich also bei starker, bedrohlicher Luftnot. Brachy- und photodynamische Therapie wirken zwar ebenfalls gut, brauchen aber ihre Zeit, bis sie für mehr Luft im stenosierten Atemweg sorgen. In Notfällen stellen sie somit keine Option dar.

Maligner Pleuraerguss

Ein maligner Pleuraerguss kann von außen das Lungenparenchym komprimieren und so das Atmen erschweren. Dazu können Husten und Pleuritisschmerzen kommen. Als Sofortmaßnahme lässt sich der Erguss einfach punktieren, aber nicht selten läuft die Flüssigkeit innerhalb relativ kurzer Zeit wieder nach.

Da wiederholte Punktionen nicht nur den Patienten belasten – dessen Lebensqualität ja bei allen diesen palliativen Maßnahmen im Vordergrund steht –, sondern auch eine Infektionsgefahr mit sich bringen, bevorzugen die meisten Fachleute heute definitive Techniken. Dazu gehört vor allem die thorakoskopische Talkumpleurodese. Geht es dem Kranken allerdings so schlecht, dass die Narkose oder Analgosedierung für den Eingriff zu riskant sind, lässt sich das Talkum über eine Thoraxdrainage einbringen. Oder man legt einfach einen Pleuraverweilkatheter, durch den der Erguss dann kontinuierlich ablaufen kann.

Tracheo-ösophageale Fistel

Eine tracheo-ösophageale Fistel entwickelt sich eher bei Patienten mit Luft- oder Speiseröhrenkrebs, seltener bei solchen mit Bronchialkarzinom. Sie macht sich vor allem durch Atemnot und Husten nach dem Essen bemerkbar. Als Hauptrisikofaktor gilt die Strahlentherapie, da diese den nekrotischen Zerfall des Tumors begünstigt.

Als Methode der Wahl bietet sich die Einlage eines beschichteten selbstexpandierenden Metallstents über der Fistelöffnung an – bei gleichzeitiger Ösophagusstenose mit Schluckbeschwerden in die Speiseröhre, bei Trachelastenose in die Trachea.

Vena-cava-superior-Syndrom

Bei einem VCS-Syndrom drückt in 72 % der Fälle ein Bronchialkarzinom auf die obere Hohlvene, meist handelt es sich um ein NSCLC. Schon mit bloßem Auge fallen bei dem betroffenen Patienten gestaute zervikale Venen sowie Schwellungen von Gesicht, Hals und Armen auf. Bei besonders ausgeprägter Flussbehinderung kann es zum zerebralen Ödem mit Kopfschmerzen und Vigilanzminderung kommen.

Am schnellsten und stärksten besser sich die Symptomatik, wenn man einen Stent in die V. cava einlegt und so den Blutfluss wiederherstellt. Bei vorliegendem Bronchialkarzinom führen eine Chemotherapie und/oder Radiatio in 77 % bzw. 60 % der Fälle zum Erfolg.

Quelle: Gompelmann D. internistische praxis 2019; 61: 450-456 © Mediengruppe Oberfranken - Fachverlage GmbH & Co. KG, Kulmbach