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Lungenkrebs-Mortalität senken – kommt bald das CT-Screening?

DGIM 2021 Autor: Dr. Angelika Bischoff

Für das Screeningangebot muss noch Einiges im Detail festgelegt werden. Für das Screeningangebot muss noch Einiges im Detail festgelegt werden. © Zubada – stock.adobe.com
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Ein mögliches Lungenkarzinom-Screening in Deutschland kommt ins Rollen. Derzeit läuft eine Bewertung durch das Bundesamt für Strahlenschutz. Fällt diese positiv aus, entscheidet der G-BA, ob die Früherkennungsuntersuchung in den Leistungskatalog der GKV aufgenommen werden kann.

Etwa 60-70 % der Bronchialkarzinome werden derzeit in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Dieser Anteil könnte durch ein radiologisches Screening verringert werden. Versuche, dies mittels konventionellem Röntgen zu erreichen, waren allerdings nicht von Erfolg gekrönt. Anders verhält es sich, wenn die Dünnschicht-Low-dose-CT genutzt wird. Mehrere große Studien haben gezeigt, dass ein Screening von Risikopatienten (50- bis 70-jährige starke Raucher) mit dieser Technik die Lungenkrebs-Mortalität senken kann.

Gutartige Rundherde sind kein seltener Befund

Allerdings findet man bei etwa einem Viertel der älteren Menschen, die geraucht haben, Rundherde in der CT, von denen mehr als 90 % gutartig sind. Die Rate solch falsch-positiver Befunde lässt sich durch repetitiven Einsatz volumetrischer CT-Analyseprogramme senken, erklärte Professor Dr. Felix Herth von der Thoraxklinik Heidelberg. Setzt man diese zum Screening ein, kommen weniger als 3 % positive Befunde heraus, von denen 60 % falsch positiv sind.

In einem Positionspapier befürworten die deutschen Fachgesellschaften DRG (Deutsche Röntgengesellschaft) und DGP (Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin) ein qualitätsgesichertes Früherkennungsprogramm des Lungenkarzinoms mittels Low-dose-CT. Ein Screening soll demnach erwogen werden bei über 50-Jährigen, deren Lungen mehr als 20 Packungsjahre durchgemacht haben. Wenn noch weitere Risikofaktoren hinzukommen, etwa COPD, positive Familienanamnese für Lungenkrebs, Asbestbelastung oder frühere Pneumonien, steigen Sensitivität und Spezifität des Screenings weiter an.

Die Fachgesellschaften fordern in ihrem Positionspapier eine Bindung an zertifizierte interdisziplinäre Zentren (z.B. Deutsche Lungenkrebs-Zentren), eine standardisierte Auswertung, die Einführung eines zentralen Registers und begleitende Maßnahmen zur Raucherent­wöhnung.

Wird im CT-Screening ein Rundherd entdeckt, dürfte dies die Patienten­ zusätzlich motivieren, vom Rauchen abzulassen, meinte Prof. Herth. An wen sich das Angebot eines CT-Screenings genau richten soll, wie positive Befunde letztlich definiert werden und nach welchem Algorithmus vorge­gangen werden soll, wird man noch im Detail festlegen. Gleiches gilt für die Finanzierung und Erstattung.

Kongressbericht: 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (Online-Veranstaltung)


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