Masern: Impfskepsis wohl nicht der Grund für fehlenden Infektionsrückgang

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Die Quote für die erste Vakzinierung liegt bei 97 %, für die zweite aber nur bei 92–93 %. © iStock.com/Hailshadow

Masern gelten als typische Kinderkrankheit – werden sie deshalb immer noch unterschätzt? Die Zahl der Infektionen jedenfalls bleibt seit Jahren stabil. Und die Impfquote will auch nicht steigen.

Laut Weltgesundheitsorganisation starben 2016 weltweit etwa 90 000 Menschen an einer Maserninfektion, vor allem Kleinkinder unter fünf Jahren. Diese Zahl entspricht etwa der Gesamteinwohnerzahl von Städten wie Tübingen oder Flensburg. In Deutschland traten 2017 insgesamt 929 gesicherte Masern­fälle auf, schreiben Dr. Dorothea­ Matysiak-Klose und Dr. Sabine­ Santibanez vom Robert Koch-Institut, Berlin. 35 Patienten erlitten Komplikationen wie Enzephalitiden, Lungen- und Mittelohrentzündungen.

Vor allem Kinder unter zwei Jahren impft man zu spät

Die Mehrzahl der Infektionen (42 %) betraf Kinder vor dem 10. Lebensjahr, vor allem Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren. Aber auch jüngere Erwachsene zwischen 20 und 39 Jahren trugen erheblich zur Zahl der Erkrankungen bei (30 %). Insgesamt stagniert die Inzidenz etwa um die Rate von 2003 (780 gesicherte Fälle), mit Ausreißern nach oben und unten.

Warum gibt es keine Tendenz eines weiteren Rückgangs? Die Impfquote an sich ist zum Einschulungstermin auf hohem Niveau: Im Jahr 2016 hatten mehr als 97 % einen Masernschutz. Allerdings bezieht sich dieser Wert auf die erste Vakzinierung. Die Quote der empfohlenen zweiten Dosis schwankt seit Jahren unverändert zwischen 92 % und 93 % – trotz wiederholter Infokampagnen. Vor allem Kinder unter zwei Jahren werden zu spät geimpft.

Empfehlungen unbekannt oder Termin vergessen

Eine grundsätzlich impfkritische Haltung der Eltern scheint nicht dahinterzustecken, wie eine Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergab. Oft werde der Termin zur Vakzinierung schlicht verschoben und dann vergessen. Bei anderen wiederum fehle nach eigener Aussage eine entsprechende Aufklärung über die STIKO-Empfehlungen.

Die Expertinnen sehen besonders beim Impfschutz von kleinen Kindern und Erwachsenen mit und ohne Migrationshintergrund noch Luft nach oben. Um die Quoten zu verbessern, könnten z.B. Kinderärzte auch die Eltern nach dem Impfstatus fragen oder Betriebsärzte diesen genau überprüfen.

Quelle: Matysiak-Klose D, Santibanez S. Epid Bull 2018; 33: 325-330