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Nutzen von Hyperthermie beim Ovarialkarzinom bleibt fraglich

Autor: Maria Weiß

Im inoperablen Kollektiv könnte das Verfahren eventuell eine Rolle spielen. Im inoperablen Kollektiv könnte das Verfahren eventuell eine Rolle spielen. © nerthuz – stock.adobe.com
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Durch die vorzeitige und vor allem intraperitoneale Ausbreitung ist die Prognose des Ovarialkarzinoms nach wie vor schlecht. Kann die hypertherme intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC) in fortgeschrittenen Stadien daran etwas ändern?

Der wichtigste Prognosefaktor beim Ovarialkarzinom ist die komplette Tumorfreiheit nach Resektion. Auch nach makroskopischer Komplettresektion sind peritoneale Rezidive aber häufig, sodass nach therapeutischen Alternativen gesucht wird. Die HIPEC* könnte eine Option sein, gegen mikroskopische Tumorreste vorzugehen.

Studienlage ist bisher sehr heterogen

Das Prinzip: In Vollnarkose wird i.d.R. unmittelbar nach der OP die Bauchhöhle mit Spülflüssigkeit auf 42–43 °C erhitzt. Dann wird mit hoch konzentrierten, danach noch einmal mit gering dosierten Zytostatika gespült. Deren Konzentration in den peritonealen Krebszellen wird so deutlich erhöht. Die Hyperthermie wirkt zusätzlich zytotoxisch.

Die Studienlage ist allerdings sehr heterogen und lässt nach Meinung von Professor Dr. Christina Fotopoulou, Imperial College London, keine abschließende Bewertung zu. Eine Studie aus den Niederlanden mit 280 Patienten hat gegenüber der OP zwar ein positives Ergebnis in Bezug auf progressionsfreies und Gesamtüberleben gezeigt, allerdings nur bei einem sehr beschränkten Kollektiv. Eingeschlossen wurden allein neu diagnostizierte Frauen im Stadium III, bei denen eine ausgeweitete zytoreduktive OP nicht infrage kam oder nur eine inkomplette OP mit Resttumoren > 1 cm möglich war. Diese Kriterien erfüllen nur etwa 9 % aller Ovarialkarzinom-Patientinnen bei Erstpräsentation, sagte Prof. Fotopoulou.

Von dieser Studie könne man daher nicht auf größere Populationen extrapolieren. Zudem stammten 43 % der Teilnehmerinnen aus einem einzigen Zentrum, das die schlechtesten Ergebnisse aufwies. Eine koreanische Studie umfasste ein wesentlich breiteres Kollektiv und ist negativ ausgefallen. Eine Studie aus Griechenland war zwar positiv, allerdings wird die Validität angezweifelt.

In der Breite sollte man die Methode nicht verwenden

Das Fazit der Onkologin: Für die Implementierung des HIPEC-Verfahrens in einer breiten Population von Ovarialkarzinom-Patientinnen reicht die Evidenz nicht aus. Im „inoperabalen“ Kollektiv könnte das Verfahren eventuell eine Rolle spielen, wobei hier Inoperabilität genauer definiert werden müsste. Nimmt man von der OP aufgrund von Fragilität und schlechtem Allgemeinzustand Abstand, stelle sich die Frage, ob die Frauen dann die zusätzliche Belastung durch HIPEC tolerieren können.

* Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie

Quelle: Deutscher Krebskongress 2020


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