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Screening auf Diabetes im Krankenhaus und bei übergewichtigen Kindern sinnvoll

Autor: Cornelia Kolbeck

In einem dreimonatigen Screening von stationär aufgenommenen Erwachsenen sei bei 3,7 % der Fälle Diabetes entdeckt worden. (Agenturfoto) In einem dreimonatigen Screening von stationär aufgenommenen Erwachsenen sei bei 3,7 % der Fälle Diabetes entdeckt worden. (Agenturfoto) © iStock/bluecinema
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Screening hilft, Krebserkrankungen früh zu erkennen, um die Krankheitsfolgen zu mindern. Kann dann nicht auch ein Screening helfen, um Diabetes mellitus bzw. Patienten mit einem hohen Risiko frühzeitig zu identifizieren? Es kommt darauf an.

Laut Professor Dr. Oliver Kuß, Deutsches Diabetes-Zentrum, Düsseldorf, ist man sich international einig, dass dort, wo Menschen regelmäßig in der Gesundheitsversorgung auf Diabetes gescreent werden, ein gezieltes (opportunistisches) Screening unnötig ist. Das Geld sei in der Behandlung des Diabetes mellitus besser angelegt.

Angesichts eines vielfach unentdeckten Diabetes in Deutschland könne Screening durchaus hilfreich sein, meint Professor Dr. Andreas Fritsche, Uniklinikum Tübingen. Bei stationären Patienten sei es sogar unerlässlich. In einem dreimonatigen Screening von stationär aufgenommenen Erwachsenen sei bei 3,7 % der Fälle Diabetes entdeckt worden – ohne das Vorhandensein einer bereits dokumentierten Diagnose. „Wenn wir nur die Hauptdiagnose anschauen, unterschätzen wir die Häufigkeit des Diabetes gewaltig“, so Prof. Fritsche. Er betonte, das Screening sei wichtig, um den Bedarf des Patienten hinsichtlich Klinikaufenthalt, Kontraindikationen, Komplikationen oder nötiger diabetologischer Spezialbehandlung einzuschätzen und um eine langfristige Behandlung einzuleiten. Für die Erlösoptimierung sei Screening jedoch sinnlos.

National und international empfohlen sei das Screening auf Typ-2-Diabetes bei Jugendlichen wegen der Kosten-Nutzen-Relation nicht, berichtete Privatdozentin Dr. Susanna Wiegand, Charité – Universitätsmedizin Berlin. Getestet werden sollte laut International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes aber ab einem Alter von 10 Jahren in bestimmten Fällen, z.B. bei extremer Adipositas, polyzystischem Ovarsyndrom, Diabetes bei Verwandten 1. Grades oder ethnischen Risikogruppen. Auch die S3-Leitlinie von DDG und AGPD von 2015 empfehle einen oralen Glukosetoleranztest ab dem 10. Lebensjahr und bei entsprechenden Risikofaktoren. Das Screening sei als „Sieb“ zu sehen, so Dr. Wiegand. Laut Deutschem Gesundheitsbericht „Diabetes 2020“ sind 6 % der Kinder in Deutschland adipös und 13 % übergewichtig. Dennoch sei Typ-2-Diabetes für Kinder und Jugendliche bisher nicht ausreichend im Fokus von Wissenschaft und Versorgung.

Professor Dr. Matthias Schulze, Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, empfahl, den Deutschen Diabetes-Risiko-Test (DRT) für das Screening zu nutzen. Dieser sage, mehrfach validiert, das Fünfjahres-Erkrankungsrisiko zuverlässig voraus. Man könne den DRT bei der individuellen verhaltensbezogenen Primärprävention nach § 20 SGB V anwenden.

Quelle: Diabetes Kongress 2021

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