Trügerische MRT-Bildgebung: Gesunde haben plötzlich axiale Spondyloarthritis

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Das MRT scheint bei der Diagnose nicht spezifisch genug zu sein. Das MRT scheint bei der Diagnose nicht spezifisch genug zu sein. © eleonimages – stock.adobe.com

Auch bei gesunden Personen lassen sich mit der MRT-Bildgebung einzelne Läsionen in Wirbelsäule und Kreuzbein-Darmbein-Gelenk nachweisen. Wissenschaftler halten das Verfahren daher für die Diagnostik der axialen Spondyloarthritis nur eingeschränkt für hilfreich.

Gemäß der ASAS*-Klassifikation gelten zwei oder mehr Läsionen im Sakroiliakalgelenk bzw. mindestens drei in der Wirbelsäule als dia­gnostisches Kriterium für die axiale Spondyloarthritis. So manche Experten halten allerdings die MRT-Befunde, anhand derer die Diagnose einer axialen Spondyloarthritis gestellt werden soll, für zu unspezifisch. Privatdozent Dr. Xenofon Baraliakos vom Rheumazentrum Ruhrgebiet der Ruhr-Universität Bochum und seine Kollegen haben deshalb die diagnostische Aussagekraft der MRT-Bildgebung in einem Kollektiv von gesunden Freiwilligen untersucht.

Die Zahl der Läsionen nahm mit dem Alter zu

In ihre Analyse bezogen sie die MRT-Datensätze von 793 Personen unter 45 Jahren ein. Die beiden erfahrenen Ärzte, die die Bilder begutachteten, fanden in den Iliosakralgelenken von 136 (17,2 %) und in der Wirbelsäule von 218 (27,5 %) Teilnehmern ein oder mehrere Knochenmark­ödeme.

Bisherige Grenzwerte überdenken

Spinale Fettläsionen wiesen sie bei 645 (81,3 %) der gesunden Probanden nach. Die Auswertung zeigte zudem, dass die Zahl der Knochenmark­ödeme und Fettläsionen offenbar mit dem Alter zunimmt. Eine Rolle dürfte dabei die mechanische Abnutzung spielen, schreiben die Autoren. Legten die Wissenschaftler einen strengeren Maßstab an und berücksichtigten lediglich Untersuchungsergebnisse mit mindestens fünf spinalen Läsionen, sank die Zahl vermeintlicher Spondyloarthritiden erheblich. Die Autoren halten daher höhere Grenzwerte für angemessen.

*Assessment of SpondyloArthritis international Society

Quelle: Baraliakos X et al. Ann Rheum Dis 2020; 79; 186-192; DOI: 10.1136/annrheumdis-2019-215553