Uveale Melanome: Genetisches Staging ist dem klinischen überlegen

Autor: Josef Gulden

Klinisch nicht-metastasierte Uvea-Melanome lassen sich genauer klassifizieren. Klinisch nicht-metastasierte Uvea-Melanome lassen sich genauer klassifizieren. © Paulista – stock.adobe.com

Statt Staging per AJCC-Klassifikation auf zwei Genloci achten – das sollte man beim frühen Uvea-Melanom, falls Biopsiematerial verfügbar ist. Denn das neue TCGA-Staging bietet eine genauere Prognose hinsichtlich des Metastasierungsrisikos.

Das Uvea-Melanom ist der häufigste primäre Augentumor beim Erwachsenen und im lokalisierten Stadium gut behandelbar – vor allem strahlentherapeutisch. Entscheidend für die Prognose ist das Metastasierungsrisiko, das herkömmliche Stagingverfahren nur unzureichend quantifizieren. Bereits sehr früh im Verlauf und vor dem Befall von Lymphknoten siedeln sich Mikrometastasen in Leber, Lunge oder Knochenmark an und verharren dort über längere Zeit potenziell im Ruhezustand.

Verbesserte Vorhersage durch genetische Analyse

Deshalb gestattet etwa das TNM-System des AJCC nur relativ unscharfe Vorhersagen über das Metastasierungsrisiko. Und das trotz der Unterteilung in vier Kategorien, 17 Subkategorien und vier Stadien.

The Cancer Genome Atlas (TCGA) gliedert das Uvea-Melanom in vier prognostisch deutlich unterschiedliche Gruppen (s. Kasten). Damit ermöglicht die genetische Analyse von Biopsien mittels Feinnadelaspiration eine verbesserte Vorhersagegenauigkeit. Dies bestätigt nun eine retrospektive Studie.

TCGA-Klassifikation

  • Klasse A: beste Prognose, zwei normale Kopien der Chromosomen 3 und 8q
  • Klasse B: Zugewinn Chromosom 8q
  • Klasse C: Zugewinn Chromosom 8q + Monosomie 3
  • Klasse D: multiple Zugewinne in Chromosom 8q + Monosomie 3

In den Akten der Augenklinik der Thomas Jefferson University in Philadelphia fanden Forscher um Dr. Mehdi Mazloumi für die Zeit zwischen 2008 und 2018 insgesamt 642 Patienten mit Uvea-Melanom und deren Biopsiematerial. Die Wissenschaftler konnten so nach beiden Systemen klassifizieren. Die prädiktive Potenz für Metastasen war in der Wald-Statistik für die TCGA-Klassifikation mit einer Hazard Ratio von 2,8 (p < 0,001) höher als für alle Gruppen des AJCC-Systems:

  • 4 AJCC-Kategorien: HR 2,6; p < 0,001,
  • 17 AJCC-Subkategorien: HR 1,3; p < 0,001,
  • 4 AJCC-Stadien: HR nicht anwendbar; p < 0,001.

Auch wenn die Forscher beide Systeme in ein multivariates Modell einbrachten, blieb der Vorteil für die TCGA-Klassifikation erhalten (HR 2,4 vs. 1,9; jeweils p < 0,001).

Auswirkungen auf die adjuvante Therapie

Ist beim klinisch nicht-metastasierten Uvea-Melanom bioptisches Material für eine genetische Testung verfügbar, so die Autoren, ist per TCGA-Klassifikation eine genauere Vorhersage des Metastasierungsrisikos möglich. Das wird sich auch auf die Empfehlungen bezüglich einer adjuvanten Therapie auswirken.

* American Joint Committee on Cancer

Quelle: Mazloumi M et al. JAMA Ophthalmol 2020; DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2019.5710