Kolorektalkarzinom trifft immer mehr Jüngere

Autor: Kathrin Strobel

Immer mehr junge Erwachsene erkranken an Darmkrebs. Grund dafür scheint der falsche Lebensstil zu sein. © iStock/RyanKing999

In vielen Industrie­ländern ist die Darmkrebsinzidenz rückläufig. Dies gilt jedoch nicht für die unter 50-Jährigen. Sie erkranken in den letzten Jahren sogar deutlich häufiger.

Seit Anfang der 2000er-Jahre weisen Studien darauf hin, dass das Kolorektalkarzinom immer häufiger auch jüngere Patienten trifft. Wirkliche Beachtung erfährt diese Nachricht allerdings erst seit Kurzem, wundert sich Professor Dr. John­ D. Potter­ von der Centre for Public Health Research Massey University im neuseeländischen Wellington.1

Einer aktuellen Untersuchung zufolge ging die Dickdarmkrebsinzidenz bei den unter 50-Jährigen z.B. in Dänemark, Neuseeland, Australien und dem Vereinigten Königreich bis 2014 steil nach oben.2 Ähnliches gilt für den Mastdarmkrebs in Kanada, Australien und dem Vereinigten Königreich, berichten die Autoren um Dr. Marzieh­ Araghi­ von der International Agency for Research on Cancer in Lyon.

Erklärungsansätze hierfür gibt es zahlreiche, meint Prof. Potter – die meisten davon betreffen den Lebensstil. Am Pranger stehen die üblichen Verdächtigen: rotes Fleisch, Alkohol, Zucker, Rauchen und Bewegungsmangel. Aber auch andere Faktoren könnten laut dem Experten für den Trendwechsel mitverantwortlich sein. Unter anderem wäre es möglich, dass der vermehrte Kontakt mit Antibiotika, Antiseptika und Herbiziden die Zusammensetzung der Darmflora nachhaltig verändert.

Wenn die Inzidenz in diesem Patientenkollektiv weiter steigt, könnte das den allgemeinen Abwärts­trend der Darmkrebsinzidenzrate aufhalten oder gar umkehren, prophezeit der Epidemiologe. Daher käme der Primär- und Sekundärprävention nun eine besonders wichtige Rolle zu. Es sei auch eine Überlegung wert, die Altersschwelle für die Darmkrebsvorsorge entsprechend zu senken, so sein Fazit.

1. Potter JD. BMJ 2019; 365: l4280
2. Araghi M et al. Lancet Gastroenterol Hepatol 2019; 4: 511-518