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Komorbiditäten beeinflussen die Therapie der Multiplen Sklerose

Autor: Friederike Klein

Die häufigsten Komorbiditäten der MS sind andere neurologische oder psychiatrische Störungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die häufigsten Komorbiditäten der MS sind andere neurologische oder psychiatrische Störungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. © iStock/Pornpak Khunatorn
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Sechs von zehn Patienten mit Multipler Sklerose leiden zusätzlich an mindestens einer weiteren Erkrankung. Prävention und Behandlung von Komorbiditäten sollten daher feste Bestandteile des MS-Managements sein.

Laut den Registerdaten der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft gibt es eine Reihe von Unterschieden zwischen MS-Patienten mit und solchen ohne Komorbiditäten. So sind die Betroffenen mit Begleit­erkrankungen bei Symptombeginn älter (33,4 vs. 31,3 Jahre) und die Zeit bis zur Diagnosestellung ist länger als bei denen ohne Komorbiditäten (2,6 vs. 2,0 Jahre), erklärte Alexander­ Stahmann­, Projektkoordinator des MS-Registers aus Hannover. Deutlich weniger Patienten mit Begleiterkrankungen sind berufstätig (48,4 vs. 63,4 %) und ein Drittel vorzeitig berentet (32,8 % vs. 18,5 %). Die Behinderung nach der Expanded Disability Status Scale (EDSS) ist bei ihnen im Mittel stärker ausgeprägt (EDSS 3,4 vs. 2,7) und sie erhalten häufiger eine krankheitsmodifizierende Therapie (83,9 % vs. 79,4 %).

Viele der im Register erfassten Patienten wiesen mehr als eine Begleiterkrankung auf. Am häufigsten wurden andere neurologische oder psychiatrische Störungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen dokumentiert. Letztere traten bei aggressiveren Verlaufsformen (primär progressive MS oder sekundär progressive MS) vermehrt auf, Allergien und Stoffwechselerkrankungen dagegen seltener. In einer kanadischen Beobachtungsstudie waren Komorbiditäten mit mehr kognitiven Einschränkungen und Hospitalisierungen, einer rascheren Behinderungsprogression und einer höheren Krankheitsaktivität und Mortalität assoziiert.1 Auch auf die Therapie der MS wirken sich Begleit­erkrankungen aus:

  • Angststörungen und ischämische Herzerkrankungen führten im kanadischen Register im Schnitt zu einem späteren Beginn der MS-Behandlung.
  • Patienten mit Depression starteten ihre Therapie dagegen im Mittel früher als der Durchschnitt.
  • Leber- und Nierenfunktionsstörungen können die verfügbaren Therapieoptionen einschränken.
  • Durch die medikamentöse Behandlung anderer Erkrankungen erhöht sich das Risiko von Neben- und Wechselwirkungen, was die MS-Therapie verkompliziert.

Stahmann betonte, wie wichtig es sei, Komorbiditäten früh zu erkennen und adäquat zu behandeln.

Patienten für Risikofaktoren sensibilisieren

Noch besser wäre es natürlich, wenn es erst gar nicht zu Begleiterkrankungen käme. Daher sollte eine entsprechende Beratung fester Bestandteil der Therapie von Patienten mit Multipler Sklerose sein, um sie für beeinflussbare Risikofaktoren für Komorbiditäten zu sensibilisieren, so Stahmann.

1. Marrie RA et al. Neurology 2016; 86: 1446-1453; DOI: 10.1212/WNL.0000000000002474

Quelle: 93. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (Online-Veranstaltung)

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